Rattenhalter-burnout


Jeder sollte sich ernsthaft einen Kopf darüber machen, wievielen Tieren er guten Gewissens dauerhaft ein Zuhause geben kann und möchte, und sollte kein schlechtes Gewissen haben wenn er es sich gut überlegt hat, da auch das aktiver Tierschutz ist.
Konkret setzen wir das bisher folgendermaßen um: Ich überlege mir, ob die Tiere, die in Not sind, bei mir ein qualitativ besseres Leben als woanders erwartet, nach unten hin begrenzt durch ein Grundqualitätsniveau. Weiterhin muß man damit rechnen, daß die Tiere bis an ihr Lebensende bleiben – kann ich beides mit gutem Gewissen verantworten, kann ich die Tiere aufnehmen. Irgendwelche spontan – Aufnahmen a la “ist ja sooo in Not” oder “ist ja sooo süß” kommen nicht in Frage.
Wir haben hohe Kapazitäten und keinen Urlaub, aber das haben wir nur, weil wir es auch bisher verkraften konnten. Für dieses Jahr bspw. ist ein Urlaub geplant, weil er notwendig ist. In diesem Fall ist reiner Egoismus bzw. Rationalität wichtig, um sich selbst zu sanieren und wieder mit frischer Kraft danach ans Werk gehen zu können, auch, wenn dafür eine Tierpause, ein Aufnahmestopp oder ähnliches notwendig wird. Man sollte sich täglich hinterfragen, wo man steht, und gegebenenfalls auch Zwangspausen einlegen. Damit ist langfristig den Tieren besser geholfen als mit reiner Emotionalität.
Mir wurde einmal vorgeworfen, ich würde die ganze Welt retten wollen, obwohl ich nur das tue, was für mich im Rahmen meiner Möglichkeiten eben geht. Natürlich gehört Idealismus dazu – aber den brauchen wir für alles im Leben. Jemand meinte mal ich würde mich über die Tiere definieren – diese Bemerkung war reichlich einseitig und kurzsichtig.
Spätestens wenn man beginnt, in der Haltung der Tiere nicht mehr Freude zu sehen sondern Arbeit, wenn man ein Tier anschaut und es beurteilt nach Kriterien wie soundsoviel TA – Kosten, dito Vermittlungschance, dito Arbeit… sollte man ganz fix einen Gang zurückschalten. Das dient u. a. auch dazu, den Infektionsdruck zu mindern, v.a. bei Vermittlern mit hohem Durchlauf.
Also – habt Freude, gönnt euch was, genießt die Natur und vielleicht auch die eine oder andere Tierbeobachtung, schreibt mal einen Artikel oder helft beim TH – Ausbau – was auch immer, vieles ist wichtige Tierschutzarbeit und man lernt, wenn man sich vielseitig engagiert.
Mit diesem Prinzip bin ich bisher immer sehr gut gefahren, und sollte mir die Gesundheit keinen Strich durch die Rechnung machen, werde ich auch noch in Jahren aktiv sein, auch in der direkten Haltung.
Leider kann man nicht immer über sein Leben selbst bestimmen, das habe ich im letzten Sommer erfahren müssen. In unserem – recht neu erworbenen, alten Haus wurden ca. 250 Tiere, vorwiegend Nagerexoten, zurückgelassen. Die näheren Umstände sind denen, die es angeht, bekannt, und ich will nicht näher darauf eingehen. Jedenfalls stand ich plötzlich mit einem 250er Bestand von teils kranken und befallenen Kleinsäugern da, deren Arten mir größtenteils fremd waren. Diese Tiere mußten behandelt und versorgt werden, was meine Kapazitäten bei weitem überschritt und mich sofort veranlasste, deutschlandweit um Hilfe zu bitten. Trotz aller umfassenden, sofortigen und kompetenten Hilfe, die ich erhielt blieb trotzdem noch eine immense, für mich nicht tragbare Belastung übrig, die mir schließlich innerhalb kürzester Zeit einen burnout mit allen Konsequenzen bescherte. Ich stand vor der Wahl, die Vermittlung und Pflege komplett aufzugeben oder weiterzumachen, allerdings wie bisher war es mir nicht möglich.
Nach langem Kampf mit mir selbst beschloß ich, aufgrund der Erfahrungen die ich bisher hatte sammeln dürfen (was ja auch immer zu Lasten der Tiere geht und ihnen von daher wieder zugute kommen sollte) eine Kleintierpflegestation aus dem Boden zu stampfen, und erstmal klein weiterzumachen, mich eher auf anderes als den direkten Tierkontakt zu beschränken. Langsam – ganz langsam kann ich die Verarbeitung der Ereignisse in Angriff nehmen – vielleicht wird sie in ein paar Jahren abgeschlossen sein, ich hoffe es zumindest. Bis dahin haben ich viel zu tun – z.B. die Welt in anderer Hinsicht ein wenig zu verbessern! ;-)

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Geschrieben unter: Notfallproblematik, Probleme im Tierschutz, Tierschutz

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