Animal Hoarding


Wie weitreichend sind die Konsequenzen von animal hoarding?
Das psychische Krankheitsbild des animal hoarding ist als solches in Deutschland noch nicht anerkannt. Es fehlt daher im praktischen Umgang mit hoarding – Fällen v.a. der interdisziplinäre Ansatz, da üblicherweise am ehesten der Tierschutz eingreift. Es ist ein großer Unterschied, ob jemand aus der Notwendigkeit heraus in Not geratene Tiere bei sich aufnimmt (animal collecting – sammeln von Tieren) oder ein Fall von hoarding (pathologischer Zustand) vorliegt! Die oft in der Praxis übliche Verharmlosung als collecting führt nämlich ansonsten dazu, daß hoarding maximal als Tierschutzfrage verstanden wird, und nicht als Thema der öffentlichen Gesundheit!
Die Erfahrungen anderer Länder sprechen davon, daß viele Hoarder unmittelbar nach der Beschlagnahmung damit fortfahren, Tiere zu horten. Die Rückfälligkeitsquoten übertreffen unter diesen Umständen alles, was von Drogen und Spielsucht bekannt ist, denn sie erreichen beinahe 100 Prozent! Es ist daher eine wichtige Aufgabe des Tierschutzes, über die bei vielen Behörden und auch Amstierärzten völlig unbekannte Krankheit zu informieren. Für die Veterinärbehörden ist die Beschlagnahmung die letzte Konsequenz, nachdem die immer wieder erteilten Auflagen von den Tierhortern ignoriert worden sind und auch die Verhängung von Bußgeldern zu keiner dauerhaften Verbesserung der Situation geführt hat. Bei intensiver Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild wird erkennbar, daß Auflagen und Bußgelder nicht wirksam sind und diese Maßnahmen letztendlich nur eine Verlängerung des Leidensweges der betroffenen Tiere bewirken. Besonders dramatisch ist jedoch, daß auch die Beschlagnahmung des Tierbestandes letztendlich nur dann erfolgreich sein kann, wenn der kranke Mensch professionelle Hilfe in psychiatrischer Langtherapie erfährt. Amstierärzte und Behörden in Deutschland müssen endlich erkennen, daß hoarding weit mehr ist als ein missgeleiteter Versuch, Tiere zu “retten”!

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