Animal Hoarding
Animal Hoarding – das Horten von Tieren.
Aus aktuellem Anlaß soll an dieser Stelle über das krankhafte Horten und Anhäufen von Heimtieren, englischer Fachbegriff “animal hoarding”, informiert werden.
Was ist animal hoarding und worum handelt es sich dabei?
Für die Beurteilung des für die betroffenen Tiere und Menschen extrem belastenden Krankheitsbildes (im DSM-IV, Diagnostisches und statistisches Handbuch psychischer Störungen als solches aufgeführt) wird immer häufiger eine Definition herangezogen, die die amerikanische Tierärztevereinigung anläßlich einer Studie publiziert hat (Journal of the American Veterinary Medical Association, Oct. 2002). Von „Animal Hoarding“ spricht man demnach, wenn eine Ansammlung einer großen Zahl von Tieren die Fähigkeiten des Tierhalters übersteigt, sanitäre und tierärztliche Minimalstandards der Tierpflege einzuhalten.Der entscheidende Punkt der Grenzüberschreitung zwischen normal und krankhaft ist hier nicht die absolute Zahl der gehaltenen Tiere, sondern in erster Linie die fehlende Einsicht des Tierhalters in die Untragbarkeit der Situation (negative Folgen sowohl für die schutzbefohlenen Tiere, wie auch für die Gesundheit des Tierhalters und seiner Umgebung). Dadurch entfällt oft die Möglichkeit der Hilfe und Einwirkung von außen, die Fälle von animal hoarding, die an die Öffentlichkeit dringen, sind demnach nur die “Spitze des Eisberges”.
Gehortet werden Hunde, Katzen, Kleinnager und Vögel bishin zu Großtieren oder Exoten. Es kommt zur Verwahrlosung der Tiere (passive Tierquälerei) und auch zu einer Selbstaufgabe der Tierbesitzer. Die Tiere vermehren sich unkontrolliert, manche hungern sich zu Tode oder sterben an nicht behandelten Wunden und Krankheiten. Die Horter leben in dreckigen Wohnungen mit den kranken, gestörten und oft toten Tieren. Da die betroffenen Menschen ihre Lebensumstände oft nach außen hin verbergen, mißtrauisch sind und niemanden mehr in ihr näheres Wohnumfeld lassen, wird das Krankheitsbild oft erst in einem sehr späten Stadium entdeckt, wenn bspw. Nachbarn vom Lärm der vielen Tiere gestört oder durch Gerüche darauf aufmerksam werden. Es handelt sich um eine schwere psychische Störung, die eng mit dem so genannten Messie-Syndrom verbunden ist, bei dem Menschen anfangen Dinge anzusammeln und ihre Wohnung zu vermüllen. Auch Tierhorter klammern sich zwanghaft an ihre vierbeinigen Sammlerstücke und verlieren dabei den Sinn für die Realität, sie lassen ihre Schützlinge weder impfen noch kastrieren.
Die Krankheit kann Menschen aus jeder sozialen Schicht betreffen, es ist auffällig, daß es gewisse Regelmäßigkeiten gibt, bspw. bei Rechtfertigungs- und Entschuldigungsstrategien. Es ist weiterhin ein bekanntes Phänomen, daß Tierhorter nach Beschlagnahmung der Tiere oftmals ihren Wohnsitz wechseln und innerhalb nur weniger Tage wieder anfangen, Tiere zu horten.
Einer der wenigen Sachverständigen, der österreichische Arzt und Hundexperte Dr. med. univ. Hans Mosser, erläutert, daß es sich beim „Animal Hoarding“ nicht etwa um fehlgeleitete Tierliebe, sondern um eine psychische Erkrankung des Tierhalters handelt: „Manche halten diese Menschen für übertriebene Tierschützer, die jedem Tier ein Zuhause geben wollen. Aber es ist nicht übertriebene Tierliebe, um die es hier geht, sondern ein menschliches Gesundheitsproblem, eine psychische Erkrankung. Es handelt sich dabei um Menschen, die – häufig alleinstehend und sozial isoliert – herrenlose Tiere horten. Üblicherweise erfolgt keine Kontrolle der Fortpflanzung der Tiere, so daß das Problem in relativ kurzer Zeit eskaliert. Die betroffenen Menschen vernachlässigen sich und ihr Umfeld, es kommt in der Wohnung zur Anhäufung manchmal unvorstellbarer Mengen tierischer Exkremente sogar im Bett des Menschen, dem dies nichts mehr auszumachen scheint.“
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