“Wilde Vermutungen” – Wildanteilige Ratten.
Ein weiteres Problem stellt die Fütterung dar. Grundsätzlich sollten nur naturbelassene Futtermittel gegeben werden (sowohl bei Frisch- als auch bei Trockenfutter), in den meisten “Leckerchen” sind zu viele Zusatzstoffe und v.a. Zucker drin, sie werden nur schlecht vertragen und meist auch gar nicht genommen. Besser sind hier vollwertige Getreideprodukte o.ä., frisches Gemüse (mehr als Obst), ein wenig tierisches Eiweiß und Leckereien in Form von bspw. Nüssen (in Maßen, nicht in Massen!).
Am meisten Probleme ergeben sich sicher aus dem Verhalten wilder/ wildanteiliger Tiere, sie im Wohnumfeld zu halten oder halten zu wollen kann auch in einer Katastrophe enden. Das “wilde” Verhalten läßt sich wie folgt beschreiben: Wie andere Wildnager ihrer Größe sind sie Flucht- und Beutetiere, sie haben daher extrem gute Reflexe und sind absolut scheu. Bei jedem Gräusch und jeder Bewegung flüchten sie, die meiste Zeit verhalten sie sich ruhig und verstecken sich. Aktiv werden sie in der frühen Morgendämmerung oder abends. Da sie sehr nagefreudig sind kann es vorkommen, daß sie sich aus Käfigvolieren mit Plastikunterwannen oder Holzbauten recht schnell “befreien” – die Chance, die Tiere wieder einzufangen ist gering, da sie sehr intelligent sind. Freilauf ist ebenso fast unmöglich zu gewähren, da sie viel lieber unterwegs sind und die Wohnung “umgestalten”.
Hat man das große Glück Tiere zu haben, die weniger Wildverhalten an den Tag legen, kann man versuchen, sie durch intensives Gewöhnen und Training wenigstens so weit zu prägen, daß sie wie scheue Farbratten zu handhaben sind und auch in Farbrattenrudeln leben können. Das bedarf allerdings einer Unmenge an Geduld und Zeit, und das Bemühen muß nicht immer von Erfolg gekrönt sein. Je früher mit der Gewöhnung begonnen wird, umso wahrscheinlicher ist es, etwas damit zu erreichen. Allerdings ist es bei Wildratten/ Wildanteiligen im Gegensatz zu Farbratten so, daß durch unsachgemäßes Händeln viel an Vertrauen wieder verlorengehen kann, was auch durch das Training nicht mehr behoben werden kann. Die Tiere verteilen sozusagen “Minuspunkte”, das kann bis zu vollständigem Rückzug und extremer Bissgkeit führen.
Womit wir beim nächsten Problem sind – die Vermittlung. Sie gehören, wenn überhaupt, in erfahrene Hände, aber oft genug sind diese auch schon vollauf mit anderen rattigen Notfällen beschäftigt, sodaß die Vermittlungschance von Wilden/ Wildanteiligen sehr gering ist.
Insgesamt ist von der Haltung wilder/ wildanteiliger Wanderratten also grundsätzlich abzuraten – außer Zeit, Nerven, Schweiß und nicht selten auch Blut die es uns kostet bedeutet es für die Ratten einen immensen Streß, der zusätzlich zu erhöhter Anfälligkeit führen kann und damit jegliche Form von “artgerechter” Haltung wie bei allen Wildtieren ad absurdum führt.
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