Wanderratten und deren Mischlinge in Menschenhand.


(Auszug in der “Rodentia” Nr.37 2007)

Entwicklung von Wildratten zu Farbratten.
Wanderratten oder auch Wildratten sind die Vorfahren unserer heutigen im Heimtierhaltung lebenden Farbratten.
Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden besondere, meist weiße Exemplare (albinotische Tiere) aus der Wanderrattenpopulation selektiert und zu Forschungszwecken vermehrt. Später begann man aus den selektierten Tieren gezielt Stämme zu züchten, die besondere Eigenschaften aufwiesen, bspw. die gute Händelbarkeit, um genetisch annähernd gleiche Tiere in benötigter Anzahl zu bekommen. Diese wurden für Versuche unterschiedlichster Art benötigt. Im Laufe der Entwicklung von Wissenschaft und Technik präzisierten sich die Anforderungen und es entstanden genetisch sehr ähnliche Individuen, nämlich verschiedene In- und Auszuchtstämme.
Ab unfähr Mitte des 20. Jahrhunderts fanden sich mehr und mehr Liebhaber, die die ursprünglich als “Nutztiere” gezüchteten Ratten als Heimtiere zu halten und zu vermehren begannen. Aus diesen Liebhaber – Vermehrungen entstanden nach und nach die sogenannten Farbratten mit verschiedenen Fellfarben und Zeichnungen.
Mit der Haltung in Menschenhand veränderten sich die genotypischen und die phänotypischen Merkmale der Tiere (bspw. Verhalten, Organgewichte, Aussehen ect.), ob allerdings schon von einer Domestikation gesprochen werden kann ist noch zu bezweifeln. Wichtig ist, daß es zwischen den heutigen in Heimtierhaltung lebenden Farbratten und ihren wilden Verwandten, den Wanderratten, signifikante Unterschiede hinsichtlich der Ansprüche an Habitat, Haltung und Interaktion gibt.

Herkunft von Wanderratten und deren Mischlingen in der Notfalltiervermittlung.
Leider tauchen in der Notfalltiervermittlung immer wieder auch Wildratten bzw. Wildrattenmischlinge auf (aus Verpaarungen von Wanderratten und Farbratten hervorgegangen), diese Tiere benötigen wesentlich mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit und ihre Vermittlung in gute und erfahrene Hände gestaltet sich entsprechend kompliziert.
Die Herkunft dieser Tiere ist leider nicht immer eindeutig geklärt. Es halten sich erstaunlicherweise immer noch bestimmte falsche Annahmen über Wilde / Wildanteilige, die immer wieder unwissende Menschen dazu verleiten, die Tiere zu zähmen oder zu vermehren. Eine davon ist bspw. das Gerücht, daß Wildratten wesentlich älter werden als Farbratten und auch keine Tumorneigung besitzen. Das ist grundsätzlich falsch. Ihre Lebenserwartung liegt ebenso bei ca. zwei Jahren (was man gut am Eintritt der Menopause bei den Weibchen erkennen kann), vielmehr sterben sie meist früher als unsere Heimtiere durch Beutegreifer. Wilde / Wildanteilige können auch ebenfalls Tumore bekommen. Durch das Einkreuzen genetischen Materials von Wildtieren in unsere Farbratten ist also keineswegs eine Besserung der gesundheitlichen “Grundausstattung” zu erwarten, eher im Gegenteil!
Manche Tiere sind bspw. als Welpen gefunden worden. Es kann passieren, daß das Muttertier beim Verlassen des Nestes (evtl. auf der Flucht vor Beutegreifern) gerade säugende Welpen mit heraus trägt, da der Saugreflex recht stark ist kann er eine Weile anhalten, während das Jungtier “mitgenommen” wird. Im Normalfall wird das Muttertier die so ausgetragenen Welpen wieder zurück ins Nest bringen, sofern sie in der Lage dazu ist, ansonsten kann es auch passieren, daß das Muttertier durch Beutegreifer oder den Menschen getötet wird und die hungernden Welpen – sofern sie schon groß genug sind – sich selbst “auf den Weg” machen. Ältere Fundtiere sind extrem selten, da keine gesunde Wanderratte sich vom Menschen einfangen läßt, meist handelt es sich um sehr kranke (Rattengift!) oder sehr alte Tiere.

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