Operationen bei Farbratten und Wanderratten/ wildanteiligen Ratten


(Auszug in der “Rodentia” Nr.34 2006)

Ein wichtiges und auch häufig kontrovers diskutiertes Thema in Sachen Gesundheit im Kleinnagerbereich sind Operationen. Die Gründe für eine Operation (OP) können vielfältig sein; Tumore, Abszesse, Amputationen oder auch ein Routineeingriff wie bspw. eine Kastration oder Sterilisation gehören dazu.
Bei Farbratten, Wanderratten und Wildanteiligen Ratten (i.F. der Einfachheit halber Ratten genannt) werden hauptsächlich Operationen zur Tumorentfernung, Abszesspaltung und Sterilisation durchgeführt, um ungewollter Vermehrung vorzubeugen.
Die Entscheidung zu einer Operation seiner Ratten sollte vom Halter nicht leichtfertig getroffen werden, und immer gemeinsam in Absprache mit dem behandelnden Veterinär erfolgen. Hierbei gilt es einiges zu beachten und im Vorfeld abzuklären, das betrifft die Entscheidung zur OP selbst, ihren Verlauf und auch die Nachsorge.

Vorüberlegungen.
Das Alter einer Ratte ist nicht immer ausschlaggebend, da einige Tiere, genetisch bedingt, schneller altern als andere. In einigen Forenbeiträgen bzw. auch Büchern wird noch immer die Entscheidung zu einem operativen Eingriff grundsätzlich vom Alter des Tieres abhängig gemacht, es kursiert teilweise die Meinung, daß ältere Tiere (über einem bzw. anderthalb Jahren), grundsätzlich nicht mehr operiert werden sollten. Das führt leider auch dazu, daß Tieren, die nach einer OP noch eine gute Chance auf ein normales und der Tierart entsprechend langes Leben (Ratten werden ca. 1,5 – 2 Jahre alt im Durchschnitt) hätten, diese Möglichkeit von vornherein verwehrt bleibt und sie schon teilweise sehr jung euthanasiert werden.
Sicher entscheiden sich viele Halter auch gegen eine Operation, weil das Risiko für das einzelne Tier nicht oder kaum kalkulierbar ist oder der finanzielle Aufwand als zu hoch eingestuft wird. Dazu bleibt mir nur zu schreiben, daß der Tierhalter – egal welcher Tierart – finanziell immer in der Lage sein muß, seine Tier äquivalent zu versorgen, das möchte vor der Anschaffung von Tieren abgeklärt sein und ist eine Grundvoraussetzung für die Haltung.
Viel wichtiger für die Entscheidungsfindung ist der Gesundheitszustand des Tieres. Hierbei ist zu beachten, daß rechtzeitig vor jeder OP das Tier dem behandelnden Veterinär vorgestellt werden sollte, um eine etwaige Infektion oder auch andere Krankheiten festzustellen. Hierbei werden Herzschlag und Atmung überprüft, eine Palpation des Tieres durchgeführt und das äußere Bild eines Tieres bewertet; hierzu gehören Untersuchungen des After- und Genitalbereiches, Kontrolle der Zähne, des Felles und der Haut sowie des Augen- und Nasenbereiches (Ausfluß ect.).
Natürlich wird jeder verantwortungsbewußte Halter in regelmäßigen Abständen seine Tiere derart selbst kontrollieren, aber auf die Erfahrung eines Veterinärs sollte hierbei nicht verzichtet werden. Wertvolle Hinweise auf evtl. Krankheiten kann der Halter selbst geben – ist das Tier fit, agil, frisst und trinkt es normal? Wie verhält sich das Tier – sind Hinweise auf Schmerzen oder Unwohlsein vorhanden?
Wenn Ratten Schmerzen haben oder leiden, sieht man es ihnen leider meist erst sehr spät an, als Flucht- und Beutetiere sind sie in der Lage, auch noch unter starken Schmerzen ein normales Verhalten zu zeigen. Typische Verhaltensänderungen bei Schmerzen sind Apathie, die Ratte zieht sich zurück bzw. sitzt mit aufgestelltem Fell an einem Platz, Freßunlust und manchmal auch Aggressivität bei Berührungen.
Die Entscheidung zu einer OP sollte immer im Sinne des Tieres getroffen werden, das gilt v.a. auch für Kastrationen. Nicht in jedem Fall ist dieser Eingriff ein Muß, die Tiere können im Normalfall auch in gleichgeschlechtlichen Gruppen gehalten und vermittelt werden. Jede OP birgt immer ein gewisses Restrisiko, auch wenn der gesundheitliche Zustand des Tieres einwandfrei ist und auch keine altersbedingten Einschränkungen vorhanden sind. Das Risiko für das einzelne Tier ist kaum kalkulierbar und steigt natürlich mit dem Alter des Tieres an. Dazu kommt, je kleiner das Tier ist, desto schwieriger gestaltet sich ein operativer Eingriff – das gilt auch innerartlich. Es ist vom Handling und auch von der Dosierung der Medikamente her sicher leichter, einen großen Bock zu operieren als ein kleineres, evtl. etwas unterentwickeltes Weibchen. Damit ist allein die Größe des Tieres gemeint und nicht die Fettleibigkeit – diese kann sich, im Gegenteil, sehr nachteilig auf den Erfolg einer Operation auswirken!
Natürlich stellt sich gerade in der Vermittlung von Notfalltieren immer die Frage nach der Kastration der Böcke, um deren Vermittlungschancen zu erhöhen oder überhaupt erst zu ermöglichen. Grunsätzlich sollte bei jeder Narkose und jedem operativem Eingriff nicht nach Schema F, sondern immer individuell nach dem Bedarf und den Bedürfnissen des entsprechenden Tieres abgewogen werden! Hierbei kann jede Information eine Hilfe zur Entscheidungsfindung und von Wichtigkeit sein – sie muß vom Halter berücksichtigt werden.
Die Verantwortung für Haltungstiere liegt allein bei deren Haltern, die für Tiere aus Notfällen allein bei ihren Vermittlern!

Weitersagen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Linkarchiv
  • TwitThis

Geschrieben unter: Tiergesundheit, Wildratten

Seiten des Artikels: 1, 2, 3, 4, 5,

 Hinterlassen Sie einen Kommentar 

   *) erforderliche Felder