Herr Püsch


Nun muß man aber der Vollständigkeit halber erwähnen, daß es sich bei den von uns im Rattenzimmer gehüteten Schätzchen um große, ein wenig aus der Form und dem besten Alter geratene Laborbinchen (was für ein netter Ausdruck für unsere Matronen – Legionen vom Schlachtfeld!) handelt, die eine Sprungkraft wie ein Amboß besitzen – noch nie gesprungen sind und das mit Sicherheit auch nie tun werden, sollte sich die Kugel zwischen ihrem Kopf und Schwanz nicht doch als verschluckter Gummiball erweisen. Das begriff auch irgendwann mein Verstand, der sich ein gutes Stück langsamer hinzuschaltete, und so langsam dämmerte mir ein Verdacht…
Dieser saß recht gelassen und ruhig 5 Suchminuten zwecks Taschenlampenergreifung später bestätigend außen auf dem Fensterbrett, und gab sich gar keine Mühe, sich irgendwo in Sicherheit zu bringen. Bestimmt war er der Meinung, daß er, nachdem die störenden Alten sich endlich verkrümelt hätten, gewiß ein Anrecht auf das Ratzenzimmer samst Inhalt besäße, was v.a. für Dropse galt. Ich belehrte ihn mittels näherer Beleuchtung seiner Missetaten allerdings eines Besseren, sodaß er sich mißmutig trollte. Dann besahen wir uns die Bescherung. Im vor dem angeklappten Fenster befindlichen Mückennetz klaffte ein Püsch – großes Loch. Die gesamte Vorratsdose mit Dropsen hatte er vom Tisch gefegt, übrig waren nur die, die sich langsam im darunter befindlichen Ratzbad begannen, aufzulösen. Mit Sicherheit hatte unser Dieb einen Rucksack dabei – nur war er wohl leider von unseren Amazonen entdeckt worden, und die verstehen keinen Spaß, wenn es um Dropse geht. Anscheinend haben sie ihn windelweich geprügelt – daran kann man mal wieder erkennen, daß Freßsucht doch durchaus seinen Wert haben kann – ich darf gar nicht daran denken was passiert wäre, wenn er mit seinen dicken Eiern…
Nach großer Rattenbeschau, Desinfektion, Inventur und Anzeige gegen Unbekannt wegen Hausfriedensbruch und Diebstahl gönnte ich mir auf den Schock eine kleine Auszeit draußen unter besagtem Vorbau, und ließ ein paar Cent in Rauch aufgehen. Da ich dabei keinen Lärm zu machen pflege, kann leicht der Eindruck entstehen, daß ich gar nicht da wäre, aber vielleicht interpretiere ich gerade auch nur pure Ignoranz! Jedenfalls klettert es, springt, schleicht sich an und – klopft von draußen an das Rattenzimmerfenster – ich glaubte, ich seh nicht recht!! Selbiges war nun aber geschlossen, und weil anscheinend der Frust des ummauerten Paradieses groß, schlich man weiter dachauf zum Küchenfenster -
das reichte mir dann. Wild fluchend flitzte ich in die Küche und konnte gerade noch so das Fenster schließen, natürlich nicht ohne ein Herr Püsch großes Loch im Mückengitter zu bemerken…
Tja, und seitdem gibts nur noch kontrolliere Stoßlüftungen im Rattenzimmer und für den Fall aller Fälle einen Indikatordrop in der Küche.
Seitdem sind nun schon 2 Tage vergangen, gestern komme ich von der Arbeit und bemerke beim Schuhe ausziehen -
…fette, nicht übersehbare und absichtliche dicke schwarze Rattenköttel, direkt vor unserer Haustür.
Wer meinte nochmal, Ratten seien nicht intelligent?
Trotz aller lustiger Beschreibung – ich habe beschlossen, Herrn Püsch’s Streiche mit Humor zu nehmen – ist so eine Begegnung mit Wanderratten für die Farbratten nicht ungefährlich, von Parasiten bishin zu Trächtigkeit, von daher nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Es überrascht mich allerdings, wie geziehlt und hartnäckig eine wilde Wanderratte vorgeht und dabei sogar ihre natürliche Scheu verliert, und ich habe Hochachtung vor ihrer Intelligenz und ihren Einfällen. Mal sehen, was Herr Püsch sich als nächstes ausdenkt!

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Geschrieben unter: Geschichten und Gedichte, Kurioses, Wildratten

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