Ratzenbäume
Momentan haben wir einen recht preiswerten, guten, grossen und natürlich nach den Bedürfnissen den Tiere umgebauten ehemaligen Katzenbaum aus Polen. Er ist vielfältig eingerichtet, abgesichert und dient den Tieren in unserem nun recht kleinen Wohnumfeld als willkommene Spiel- und Spassmöglichkeit. Kaum eines hegt jetzt noch Lust, unsere “langweiligen” Menschenmöbel anzufallen, sie kommen nur zur Kontaktaufnahme zu uns, und wir befinden uns dann meist auf der Couch oder auf dem Fussboden. Natürlich haben die Tiere noch mehr zur Beschäftigung, bspw. Ratzbad, Erdewühlkiste mit Keimlingen, Socken- und Kistenwühlkorb ect. – aber das alles lässt sich hervorragend in den Ratzenbaum integrieren und platzsparend unterbringen. Wir freuen uns am Interesse der Tiere für die Selbstbauten – das ist nicht immer so ;-) – und über ihr Sicherheitsempfinden, wenn sie sich im Ratzbaum bewegen. Wenn die Tiere artangemessen beschäftigt werden lassen sie auch, bis auf wenige Ausnahmen, die für sie wenig geeigneten menschlichen Bereiche in Ruhe. Es sei denn, sie wittern Futter oder Artgenossen.
Ein Tier sollte auch immer ein Tier bleiben dürfen, und je mehr wir ihnen das zugestehen, umso weniger Probleme gibt es im Zusammenleben. Dem entgegen steht allerdings ihre von uns 100%ige Abhängigkeit, die der Mensch durch Vermehrung nach seinen grotesken Wünschen noch verschärft hat. Diese gegenläufigen Tendenzen führen, salopp gesagt, zu ganz unterschiedlichen Ausprägungen der Rattenhaltung bei verschiedenen Haltern. Es gibt da sicher keine Patentrezepte – es treffen verschiedene Individuen, Erfahrungen und Möglichkeiten aufeinander, es ergeben sich daraus unterschiedliche Probleme und Ansichten. Wichtig ist hierbei vorrangig, sich seine Neugier zu erhalten, sich Ideen, Anregungen und Möglichkeiten zu verschaffen und sich v.a. die Bereitschaft zu erhalten, immer wieder etwas Neues dazuzulernen. Wer sich um sich, seine Tiere und sein Lebensumfeld immer Gedanken macht und sich nach Kräften bemüht, kann sicherlich auch keine allzugrossen “Fehler” begehen. Sicherlich können immer unvorhergesehene Ereignisse eintreten, es kann auch mal zu einem Unfall kommen oder es kann sich ein Tier verletzen. Allerdings hilft es auch niemandem, wenn man im Nachhinein überreagiert, sich in Schuldzuweisungen oder Selbstzweifel stürzt oder gegenteilig alle Schuld von sich weist. Vielmehr sollte man daraus lernen und es für die künftigen Ratzen besser gestalten – denn wir lernen mit den Tieren.
Ich kann nur immer wieder ein bisschen mehr dazu raten, das, was noch an “Natur” und natürlichem Verhalten in unseren kleinen Pelznasen steckt, lieber zu unterstützen und zu fördern als dem entgegenzuwirken. Damit tut man den Tieren einen Gefallen und auch sich selbst. Hierbei meine ich z.B. Tamaras Beispiel mit den erfolglosen Fliesen und den regelmässigen Krallenbeschneidungen der Tiere. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gesunde – nicht HH lahme Tiere – sich zwar nicht immer von selbst die Krallen mit den Zähnen auskürzen, aber es im Notfall doch tun, wenn sie wirklich zu lang (Behinderung beim Laufen) werden sollten. Das kann die Ratze gut selbst entscheiden, wann es soweit ist.
Weitere Beispiele sind die häufiger in den Foren gefundenen Warnungen zu verschiedenen Speisen – bspw. Klebreis. Ich persönlich würde nicht von der gesunden Fütterung von Reis absehen wollen, nur weil ein Unfall passiert ist und ein Tier, weil es vermutlich gierig geschlungen oder gestopft hat, daran erstickt ist. Wollten wir alle Unfälle als Basis für einen Ausschluss der Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung der Tiere zugrunde legen, würden wir möglicherweise bei Makrolonwannen und Pellets enden. Das kann aber den Tieren mit Sicherheit nicht zuträglich sein, auch sollten wir uns einmal anschauen, wie ihre wilden Verwandten leben und was wir aus ihnen gemacht haben.
Wenn wir die 360° – Kurve über’m Tellerrand absolviert haben finden wir vielleicht den einen oder anderen – individuellen und vernünftigen – goldenen Mittelweg.
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