Ratzenbäume
…oder wie man aus der Not eine Tugend macht, bzw. die dritte Dimension nutzt.
Tamara hat mich nun auch auf dieses Thema gebracht – muss mal sagen, sie ist gut im Animieren der Leutz zum Artikel schreiben ;-) – und ich hoffe, dass andere das auch so sehen…!
Wir gehören auch schon seit Jahren zu der Fraktion derjenigen Rattenhalter, die mit Ratzen- *ähem* – Katzenbäumen arbeiten im Auslauf.
Irgendwann, zu einer Zeit, da wir noch einen ganzen Auslaufraum platztechnisch für die Nasen zu Verfügung hatten, fiel mir auf, dass mich die weissen Wände anstarrten. Hm – alles rattige Spiel- und Versteckzeugs konzentrierte sich vornehmlich auf den Boden, maximal die Höhe von drei Zooplus – Kartons wurde erreicht. Ich begann, da ich weisse Wände nicht ausstehen kann, ein paar Bilder aufzuhängen, aber das änderte herzlich wenig an den etwas langen und gelangweilten Gesichtern unserer Bodenbewohner.
Eigentlich bin ich dagegen, dass sich – zumindest bei uns – die rattigen Aktivitäten auf menschliche Nutzobjekte ausdehnen, da muss ich Tamara zustimmen. Betten, Regale, Bücher, Toiletten ect. finde ich – sollten dem angestammten Zweibeiner vorbehalten bleiben, zumal Otto – Normal – Ratze damit wenig anzufangen weiss und v.a. auch Verletzungsgefahr besteht. Der eigentliche Kompromiss in Heimtierhaltung bei Gehegetieren besteht sicherlich also darin, einerseits einen guten und bequemen Kontakt pflegen zu können und andererseits den Tieren einen artangemessenen Auslauf zur Verfügung zu stellen. Das ist also nicht ganz einfach.
Von meinen Überlegungen wurde ich kurzfristig abgebracht, als mir beim Vorbeifahren auf dem Weg mal wieder zum Onkel Tierdoktor ein netter und ergiebiger Sperrmüllhaufen begegnete. Auf ihm prangte – in voller Pracht, ein alter, aber gut erhaltener Aufsteller für Werbeprodukte vom Frisör. Das Teil war gut und gern 20 cm grösser als ich, aus gepulvertem Stahl und stabil auf Rollen. Nachdem mein Mann verzweifelt und entnervt ob meiner Überredungskünste nochmal loszog und das schwere Teil hier Einzug hielt, eroberte es – samst späterer Kollegen und viel Phantasie – unseren Tierbereich.
Ich baute die Ratzenbäume derart um, dass maximal eine Rattenlänge zu überwinden war, und auch für ältere Tiere immer breite Leitern ect. zur Verfügung standen. Statt Sisal verwendete ich Kokosfaserseil, auch normale Baumwollseile. Zum Abfangen kamen unter jede Etage Hängematten oder Decken/ Kissen ect., damit auch die ganz Mutigen keine Fallhöhen hatten. Später kam noch ein altes Warengestell aus der Apotheke dazu – prinzipiell sind dem Ideenreichtum keine Grenzen gesetzt. ABER – jeder Ratzbaum sollte auch abgesichert sein, denn er ist, egal was als Ausgangslösung benutzt wird, kein speziell für Ratten konzipiertes und getestetes Spielzeug, sondern immer eine umfunktionierte bzw. umgenutzte Erfindung zur Beschäftigung der Tiere. Man sollte ihn anständig verbauen, aber auch darauf achten, dass man jederzeit guten Zugriff auf die Tiere hat. Prinzipiell gilt hier das Gleiche wie für das Gehege – angereichert, artangemessen, funktional und sicher.
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