Stabile Dreiergruppenhaltung bei Farbratten
Rattenhaltung in einer Zweierverprägung und die damit verbundenen Probleme für Tiere und Halter.
Bzw. warum nun endlich einmal in alle Infomedien (wie bspw. Foren und Bücher) die nicht wirklich neue Erkenntnis Einzug halten sollte, dass Ratten in Heimtierhaltung mindestens zu dritt gehalten werden müssen, um ihnen eine artangemessene Rudelgrösse bieten zu können.
Immer wieder kommen in die NFV Interessenten, die als Haltungsbeginner mit zwei Tieren starten wollen, da Ratten bekanntlich „nicht allein“ gehalten werden dürfen, und immer wieder muss ich diese Menschen dahingehend belehren, dass Farbratten zu dritt gehalten werden müssen.
Langsam aber sicher fühle ich mich wie eine „Platte mit Sprung“ und bin es herzlichst leid, diese seit Jahren zwar bekannte, aber immer wieder, auch und gerade in der NFV, ignorierte Tatsache permanent wiederholen zu müssen.
Das einzige Rattenbuch über die Haltung von Ratten in Deutschland, das wenigstens diesem Aspekt gerecht wird, ist leider das letztes Jahr erschienene vom NTV Verlag, S. Oechler: „Farbratten“. Das soll keine Buchempfehlung sein, sondern nur ein trauriges Beispiel dafür, dass die Erkenntnis der stabilen Dreiergruppe bisher einzig und allein in einem Werk Einzug gehalten hat.
Es ist sicher nicht immer leicht, in der Vermittlung diese Erkenntnis auch umzusetzen, da sich Haltungsbeginner leicht durch mehr Tiere überfordert fühlen, hinsichtlich des handling und der finanziellen Aufwendungen für Gehege, Futter und v.a. TA – Kosten. Allerdings sollten die Bedürfnisse der Tiere Vorrang haben, wenn also die Bereitschaft des Halters, trotz Verständnis der Problematik, nicht vorhanden ist, ist er also solcher auch nicht geeignet, überhaupt Ratten ein artangemessenes Heim zu bieten.
Die Argumentationskette sieht folgendermassen aus:
Ratten in Zweierverprägung müssen die Rudel“aufgaben“ von mehreren Tieren wahrnehmen, denn ihre wilden Verwandten leben in einem Familienverband, einem sog. Clan, der aus mind. 10 bis zu ca. 100 Tieren bestehen kann. Da gilt es, ganz verschiedene Aufgaben im Rudel zu erfüllen, was für nur zwei gehaltene Tiere bedeutet, beständig einem immensen sozialen Stress ausgesetzt zu sein. Da die Tiere keine weiteren Artgenossen haben, mit denen sie Kontakt pflegen können sind sie aufeinander angewiesen und müssen sich – wohl oder übel – arrangieren. Die beiden Tiere verprägen sich also immens aufeinander, eine stabile Hierarchie kann sich nicht ausbilden, dafür aber meist eine klare Position beider Tiere. In einer Zweierverprägung findet man also keinen „Rudelchef“, dafür aber meist ein Tier, das dem Menschen gegenüber sehr aufgeschlossen und zutraulich ist, wohingegen das andere Tier sich meist recht scheu und zurückhaltend verhält.
Bekanntlich sind nun unsere heutigen Heimtierratten nicht unbedingt die gesündesten, sodass es vorkommen kann, dass ein Tier recht früh verstirbt oder euthanasiert werden muss. Spätestens dann beginnen die hausgemachten und vorprogrammierten Probleme, akut zu werden – denn eine Integration steht ins Haus.
Geschrieben unter: Tierhaltung







09.05.2010 um 14:50
Hallo,
wäre dann die 3. Ratte nicht auch irgendwie wie das
5 Rad am Wagen?
Denn meist beschäftigen sich doch 2 Tiere intensiv miteinander.
Ich dachte auch das eine gerade Zahl von 2 Rattis doch
besser passt als 3, damit einer nicht ständig in die Röhre guckt.
Anstelle von 3 sind dann doch wohl lieber gleich 4 zu empfehlen, dann bleibt es unentschieden.
So dachte ich zumindest wäre es dann richtig!
Gruss, Silvie
09.05.2010 um 15:30
Liebe Silvie,
leider stimmt das so nicht ganz bei Rudeltieren. Es ist schon so, das sich in einer Zweierverprägung (Ratten nur zu zweit) die Tiere sehr intentiv miteinander beschäftigen – leider müssen sie das auch – denn sie haben keine Wahl. Das führt zur o.a. Verprägung, beide Tiere nehmen feste Positionen ein und leiden unter immensem, psychosozialem Stress. Sie müssen die Aufgaben vieler Rudelmitglieder sich teilen, sodass ihre Charaktere zusätzlich unterdrückt werden. Da sind Probleme vorprogrammiert, bspw. beim Tod eines der Tiere in der nachfolgenden, notwendigen Integration. Leider gipfelt das Problem oft im Tod aus Trauer des verbliebenen Tieres!
Aber das ist vermeidbar, mit bspw. einer stabilen Dreiergruppe (wo alle diese Probleme nicht auftreten) aufwärts. Keines der Tiere wird ausgegrenzt (“5. Rad am Wagen”), alle Tiere haben die Wahl, bei einer Integration gestaltet sich diese einfacher und ist auch nicht extrem zeitgebunden (da ja noch 2 Tiere vorhanden), Trauertod gibt es nicht.
Natürlich empfehlen wir auch gern 4 Tiere ;-) – aber ab 3 in der Gruppe wird es eben tiergerecht – bei Rudeltieren, so bspw. auch Farbmäusen.
Empfehlungen von dieser Seite: Haltung allg., Merkblatt für Rattenhaltung im download Bereich “Aktion Nimm 3!”, Buchempfehlung: Oechler: “Farbratten”.
Liebe Grüsse, Katja vom Tierhausi.