Farbratten – Gruppenzusammensetzung und Rudelstruktur


Nun zu einer – in den meisten Fällen – recht stabilen Rudelkonstellation bei Farbratten. Bewährt hat sich, v.a. bei Grossrudelhaltern mit einer Tieranzahl von über 6 – 8 Farbratten bis hin zu noch wesentlich grösseren Gruppen ein Verhältnis von 1 : 2 von Kastraten : Weibchen. Auch in Grossrudeln ist damit eine stabile und ausgeglichene Rudelhaltung zu bewerkstelligen, im Gegensatz zu eingeschlechtlichen Rudeln. Meist sorgen Kastraten in einem grösseren, unausgeglichenen Weibchenrudel für eine bessere Rudelstruktur, weniger Zank und weniger Rangordnungskämpfe. Das funktioniert natürlich auch bei kleinen bzw. normal grossen Rudeln. Die Integration Weibchen – Kastrat ist meist sehr unproblematisch, natürlich gibt es wie immer auch hier charakterspezifische Ausnahmen. Letztlich entscheidet auch hier die Sympathie, gerade bei dickköpfigen Matronen von Weibchen.
In Bockrudel sind Kastraten nicht unbedingt leichter zu integrieren als Vollböcke, da sie ja erst ab dem o.a. Alter kastriert werden können ziehen sie also meist als adulte Tiere ins Bockrudel ein. Häufig, bei nicht kastrierbaren, dominanten Vollböcken, wird auch hier eine Kastratenintegration versucht. Aber Vorsicht – der kastrierte Bock ist nicht plötzlich a la*schippschnapp* (!) ein anderes Tier, auch wenn sich dann nach der o.g. Zeit von ca. 3 – 4 Monaten sein Hormonstatus ändert bleibt er immer noch dasselbe Tier, mit den gleichen Erfahrungen, Vorlieben und Sympathien.
Ein Tier, was vorher jemanden Bestimmtes nicht leiden konnte, muss sich auch nach der Kastration mit ihm nicht verstehen, jemand der vorher keine Weibchen leiden konnte wird sie jetzt erst recht nicht lieber mögen und ein ängstliches Tier wird auch ein ängstliches Tier bleiben – und wenn der neue Kumpel gerade diesen Angsthasen absolut nicht ab kann, wird er ihn trotzdem jagen, ob nun mit oder ohne Eier…
Für den Haltungsbeginner eignet sich, um nochmals kurz zusammenzufassen, eine Dreiergruppe aus gleichgeschlechtlichen Tieren oder zwei Weibchen und einem Kastrat. Bei letzterem sollte man aber daran denken, dass man dann keine Jungtiere aufnehmen kann (Kastration und Kastrationsquarantäne), sondern nur Tiere, die dann schon über 3 Monate alt sind. Natürlich kann man auch, wenn man das will, eine Grundgruppe von drei jungen Weibchen aufnehmen und diese dann später mit einem oder mehreren Kastraten integrieren. Es ist sinnvoll, mindestens 2 Tiere zu einem bestehenden Rudel aufzunehmen, dann ist keiner für die oft längere Zeit der Integration allein und es wird auch nicht nur auf einem “herumgehackt” – geteiltes Leid ist oft halbes Leid und die Tiere fügen sich meist stressfreier und schneller ins neue Rudel ein. Tiere eines aktiven Rudels, die Integrationen öfter schon miterlebt haben und daher gewohnt sind, gewinnen dabei an Erfahrung, was sich auf die folgenen Zusammenführungen positiv auswirkt, sofern sie keine extrem negativen Erfahrungen (Verletzungen, Angst, Aggressionen ect.) machen.
Manchmal allerdings hat man auch einfach nur Glück, die passenden Rudelkandidaten gefunden zu haben – letztlich hängt alles an Sympathie, Charakter und Erfahrungen der beteiligten Ratten, egal ob Männchen, Weibchen oder Kastrat. An eben jenen Kriterien sollte man sich v.a. auch orientieren, wenn man Ratten aufnehmen möchte, jede Integration sollte sich so einfach wie möglich gestalten, dann ist auch eine gute Grundvorraussetztung für eine stabile, gesunde und entspannte Gemeinschaft der Tiere gegeben. Niemand als Halter möchte sich wochen- und monatelang mit einer anstrengenden Integration abplagen, vergessen Sie bitte nicht, das geht den Tieren ebenso! Also suchen Sie sich nicht ihre Tiere nach äusserlichen Merkmalen heraus, sondern beobachten und überlegen Sie, wie diese Tiere mit Ihnen und den evtl. schon vorhandenen Ratten zurechtkommen werden. Zu jeder Haltung oder Integration – ob Tier zu Tier oder auch Mensch zu Tier – gehört Zeit, Einfühlungsvermögen und auch ein kleines bisschen Fingerspitzengefühl und Erfahrung!
Wir und auch andere Notfalltierstationen helfen Ihnen gern bei Tier- und Sympathievermittlung ;-), und stehen Ihnen ein Tierleben lang beratend zur Seite.

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