Farbratten – Gruppenzusammensetzung und Rudelstruktur


(Auszug in der “Rodentia” Nr.46 2008)

Häufig taucht bei Haltungsbeginnern immer wieder die Frage nach der optimalen Rudel- bzw. Gruppenzusammensetzung von Farbratten auf, aber auch langjährige, gestandene Halter müssen sich immer wieder neu mit diesem Problem auseinandersetzen bzw. werden mit diesem in ihren Farbrattenrudeln konfrontiert.

Gerade bei aktiven Rudeln, d.h. bei Rudeln, in denen keine einheitliche Altersstruktur vorherrscht und in die immer wieder neue Tiere/ Tiergruppen integriert werden ist es im Vorfeld vonnöten, sich darüber Gedanken zu machen.
Ein heikles, und oft umstrittenes Thema ist die Geschlechterwahl seiner Gruppe, sprich Böckchengruppen versus Weibchengruppen.
Natürlich ist es für uns ein Selbstverständnis, dass unkastrierte Tiere verschiedener Geschlechter nicht zusammengehalten werden, um Nachwuchs zu verhindern. Es gibt mehr Tiere in der Notfallvermittlung als gute Plätze für diese, sodass eine weitere und bewusste Erzeugung von noch mehr Notfalltieren weder tierschutzkonform noch sinnvoll ist und deshalb auch grundsätzlich davon abgeraten werden muss!
Grundsätzlich empfiehlt sich für den – gut und umfassend informierten – Haltungsbeginner eine gleichgeschlechtliche Gruppe von drei Tieren bei Farbratten. Warum drei Tiere?
Farbratten sind, wie jeder sicherlich und hoffentlich mittlerweile weiss, Rudeltiere, die durchschnittlich in der Heimtierhaltung in Rudeln von bis zu 4 – 6 Tieren gepflegt werden. Leider gibt es immer noch einen hohen Prozentsatz an schlecht informierten bzw. wenig an der Gesundheit ihrer Tiere interessierten Haltern, die ihre Tiere einzeln oder nur zu zweit halten. Das wird den Ansprüchen dieser hochsozialen Nagerart nicht einmal ansatzweise gerecht. Einzelhaltung ist grundsätzlich abzulehnen, eine Haltung zu zweit erzeugt eine starke Verprägung beider Tiere aufeinander, die ein immens hohes Stresslevel bei beiden Tieren zur Folge hat. Wer schon einmal früher die Erfahrung gemacht hat, durch bspw. falsche und ungenügende Beratung im Zoofachhandel nur zwei Tiere zu erwerben und diese dann in einer Zweier – Verprägung auch gehalten hat, konnte in den meisten Fällen folgende Beobachtungen machen: Ein Tier ist dominant und recht aufgeschlossen gegenüber Menschen, zutraulich und selbstbewusst. Das zweite Tier ist wenig dominant, recht vorsichtig bis ängstlich, wenig zutraulich und eher zurückgezogen.
Nun ist es, gerade auch heutzutage, durch die permanente Vermehrung hinsichtlich phänotypischer Merkmale verbunden mit gesundheitlichen Defiziten so, dass meistens eines der beiden Tiere früher stirbt oder euthanasiert werden muss als das andere. Im Heimtierbereich insgesamt gibt es vermehrt kranke Tiere, aber auch generell ist die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Tiere wesentlich früher stirbt, bei so kurzlebigen Tieren wie Ratten grundsätzlich hoch. Letztlich zeigt auch die Erfahrung mittlerweile, dass anscheinend der erhöhte soziale Stress meines Erachtens nach dazu führt, dass Tiere in einer Zweierverprägung anfälliger sind und früher versterben können als Tiere aus grösseren Rudeln.

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Geschrieben unter: Tierhaltung

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