OP mit drei? – problematische Eingriffe an älteren Tieren.


Ein kleines Positiv – Beispiel: Meine Methusalem – Oma namens “Hexe” mit 3 Jahren und 2 Monaten (nachweislich) hatte schon seit sie ca. 2 Jahre alt war einen Leistentumor rechts. Dieser war gut abgegrenzt und wuchs kaum, außerdem – so dachte ich – “ist sie ja schon so alt”. Vor ca. einem Monat mußte ich einsehen, daß ich mich bei ihr gründlich verschätzt hatte, sie war immer noch fit und agil, aber der Tumor begann mittlerweile zu schleifen beim Klettern und Laufen. Hexe war in einem guten Allgemeinzustand, vom Tumor abgesehen gesund und lebensfroh, deshalb entschloss ich mich zur OP. Ich verabschiedete mich zur Sicherheit…
Die Entfernung des Tumors war nicht problematisch, er war immer noch gut abgegrenzt. Das Narkosemittel vertrug sie zwar, aber wurde nur sehr langsam wieder wach, weshalb sie erstmal in der Praxis bleiben mußte und sich prompt nach dem ersten Augenaufschlag später auch alle Fäden zog, was ihr einen weiteren Praxisaufenthalt bescherte. Der TA hatte zwar eine Unterhautnaht gesetzt, aber an der ungünstigen Stelle (hinter dem rechten Vorderbein) klaffte nun eine ca. 5 cm d große Wunde, die (ältere, kaum mehr dehnungsfähige Haut, würde aufreißen bei Bewegung) weder durch Klammern noch durch Nachnähen wieder geschlossen werden konnte. Somit wurde die Wunde regelmäßig mit Lavasept gespült und mit Tenazym behandelt, sodaß sie von innen nach außen selbst heilt. Mittlerweile sitzt Hexl wieder im Rudel und ärgert den dicken Erwin, in ca. 2 Wochen werden wir die Behandlung einstellen können und wer weiß, wieviele Monate sie dann noch vor sich hat, unsere Methusalem – Oma? Aber dafür ist sie ja auch eine kleine “Hexe”…
Zusammenfassend kann man sagen, daß eine unumgängliche OP bei einem älteren Tier besser früher als später unternommen wird (spätestens aber bei Eintritt der ersten Behinderungen), da das Tier dann eine gute Chance hat, sich wieder zu erholen und noch ein gutes Stück Leben mit entsprechender Lebensqualität vor sich hat. Wartet man zu lange und zögert die Entscheidung hinaus, sinkt diese Chance rapide und man mutet seinem Tier mehr zu, als vertretbar ist. Die Frage der Vertretbarkeit stellt sich auch für OPs oder andere Eingriffe, die den Tieren einen langen Leidensweg garantieren. Jeder Fall ist anders und muß gründlich überlegt und neu entschieden werden – im Sinne des Tieres.

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Geschrieben unter: Tiergesundheit

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