OP mit drei? – problematische Eingriffe an älteren Tieren.
(Beitrag im “Rattgeber” Nr.70 2006)
Aus aktuellem Anlass möchte ich einen kurzen Erfahrungsbericht zum Thema schreiben und evtl. dem einen oder anderen eine Hilfe zur Entscheidungsfindung bieten.
Leider tritt in letzter Zeit gehäuft der Fall auf, daß mich Halter ehemaliger Vermittlungstiere um Hilfe bei der Entscheidung bitten, ob sie ihr Tier in fortgeschrittenem Alter noch operieren lassen sollen, meist geht es um Tumorentfernungen bei Weibchen. Parallel dazu häufen sich die Fälle auch bei mir, was sicher mit einer subjektiv erfassten Statiskik zu tun hat ;-), trotzdem ist die Problematik immer präsent aber wenig diskutiert.
Um die richtige Entscheidung treffen zu können, muß man erstmal die Fakten kennen, dazu gehört das Alter des Tieres und dessen Gesundheitszustand. Das Alter ist nicht unbedingt ausschlaggebend, da einige Tiere schneller altern als andere. Viel wichtiger ist, in welchem gesundheitlichen Zustand sich das Tier befindet – ist es fit, agil, frisst und trinkt es normal? Dazu kommt die Frage, in welchem Entwicklungsstadium sich der Tumor befindet, wie schnell er wächst, ob das Tier zusätzlich evtl. eine Entzündung, einen Abszess, eine Nekrose oder bspw. eine Infektion zusätzlich hat, die unabhängig vom eigentlichen Tumor ist?
Im Normalfall wird jeder Halter ab einem gewissen Altersstadium seines Tieres darauf hoffen, daß der Tumor langsam wächst und sich die OP – Frage bis zum Alterstod des Tieres gar nicht erst stellt. Tritt jedoch der Fall ein, daß sich das Wachstum plötzlich beschleunigt oder hat sich der Halter einfach nur zeitlich verschätzt wird der Tumor schnell zum Problem – er behindert das Tier, führt an ungünstigen Stellen evtl. zum Abdrücken von Nerven, Blutgefäßen o.ä., “schleift” mglw. beim Laufen und nekrotisiert an dieser Stelle. Das alles gilt für Tumore, die nach außen wachsen und sich nicht bspw. im Bauchraum befinden, mit der Annahme, sie seien gutartig, bspw. können sie i.d. Milchleiste (Mammatumore), in den Lymphknoten oder im Unterhautfettgewebe sitzen.
Wenn absehbar ist, daß das Tier durch die Größe der Wucherung, deren ungünstigen Sitz oder sich bildende Nekrosen, Infektionen, Abszesse o-ä. eingeschränkt wird, ist spätestens die Entscheidung für eine OP zu treffen! Jede weitere Verzögerung führt zu Schmerzen und Leiden des Tieres und sorgt dafür, daß sich sein Gesundheitszustand immens verschlechtert, somit auch die Chance, einen Eingriff gut zu überstehen. Gerade für ältere Tiere ist das Narkoserisiko erhöht und schlecht abschätzbar, dazu kommt, daß der Tumor evtl. nicht oder nur teilweise operabel sein kann. Sollte das Tier also aufgrund der Entscheidung des TAs oder weil der Körper es nicht mehr schafft in Narkose verbleiben und versterben, ist es zwar traurig für den Halter, aber mit Sicherheit das beste für das Tier. Es wurde versucht, ihm zu helfen, und Schmerzen / Leid sind ihm erspart geblieben, es durfte friedlich einschlafen. Alles weitere wäre tierschutzrechtlich nicht vertretbar, da die Tiere meist im Stillen immens leiden und es für den normalen Halter schwer ist, diese Schmerzen zu erkennen.
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