Abszesse – einige Zusatzüberlegungen.


Im letzten RG war ein sehr guter Beitrag über die Problematik der Abszessbehandlung bei Kleinnagern von der AG Gesundheit und Krankheiten des VdRD e.V. zu lesen. Da dieses Krankheitsbild leider ein sehr häufiges, aber auch immer wieder unterschätztes ist, möchte ich gern noch ein paar Gedanken dazu zu Papier bringen.

Abszesse können viele Ursachen und unterschiedlichste Ausprägungen haben. Wichtig für die Prognose einer Abszessbehandlung ist die Ursache dessen Entstehung! Diese sollte man kennen um keine “bösen Überraschungen” zu erleben!
Sehr häufig bspw. sind Biss – Abszesse, nach einer Integration oder bei einem Fundtier eventuell. Es handelt sich hier um mit den Zähnen des Tieres eingetragene Keime, die Eintrittswunden (Ober- und Unterbiss) sind meist noch gut sichtbar. Bis zur Abszedierung kann noch geraume Zeit vergehen, das ist abhängig von der Anzahl und Vermehrungsrate eingetragener Keime (Staphylokokken, Streptokokken, Streptomyces u.a.) sowie vom Immunsystem der betroffenen Tiere. Eine genetische Disposition zur “Abszessneigung” kann vorliegen (weiterführend).
Aus Bisswunden können aufgrund der beiden Eintrittsstellen mit 4 Zähnen mehrkammerige (meist Doppelkammer-) Abszesse entstehen, die auch entsprechend gekapselt sind. Eine Besonderheit bilden hier Kiefer- oder Kieferhöhlenabszesse im Kopfbereich. Deren Ursache sollte gründlichst untersucht werden, meist handelt es sich um eine Zahnfehlstellung (schiefes Wachstum, ungenügender Abrieb und Folgeerscheinungen) oder Wunden in der Mund- oder Rachenhöhle (“eingestochene” Futterbestandteile, durch schnelle Wundheilung der Mund- und Rachenschleimhaut Eintrittsstelle oft nicht mehr lokalisierbar).
Eine andere Ursache bspw. für tief im Körperinneren liegende Abszesse können Organtumoren sein, in deren Peripherie sich Nekrosen bilden. Auch Endoparasiten (bspw. Sarcoptes) können tiefe Abszesse auslösen (ebenso Nekrosen durch Zerstörung von Gewebe).
Abszesse können auch ohne Beteiligung / Infektion von Umwelt – Keimen durch Nekrosen (Immunabwehr “schafft” nicht die Auflösung des toten Gewebes und dessen Abbau / Abtransport, und “kapselt” es ein) oder schon im Körper befindliche Keime (Verbringung bspw. durch falsche Injektionstechnik oder körpereigene mglw. krankhafte Stoffwechselprozesse) entstehen.
Ein oberflächennaher Abszess ist natürlich i.a. besser zu behandeln als ein im Körperinneren liegender. Meine persönlichen Erfahrungen bei der Behandlung von Abszessen sind – je nach Ursache dieser – sehr unterschiedlich. Gefragt ist hier – wie immer ;-) – ein erfahrener Veterinämediziner!

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Geschrieben unter: Tiergesundheit

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