Borschtel!!!
Das neue Weibchen nannte mich „Knurps“ – wenn jemand fragte, warum, sagt sie, dass es das Geräusch benennt, was es macht, wenn meine Zähne in Knorpel treffen. So eine Frechheit – als ob ich jemals mein Versprechen gebrochen hätte! Naja, bis auf einmal – da hat sich das Weibchen aber auch ganz gemein benommen! Ihre rosa Dinger in der alten Haut versteckt, hat sie mich wieder ganz böse geärgert und auf den Rücken gelegt – irgendwann konnte ich nicht mehr an mich halten und habe ganz herzhaft in die olle Haut…
Sie hat nicht geschrieen oder mich weggestoßen, sondern ganz beruhigend auf mich eingeflüstert und dann war alles wieder wie vorher. Das habe ich nicht begriffen!
Aber sie hat ein Essen für mich – habe ich noch nie bekommen – und schmecken tut das! Ich schlage mir jetzt immer ganz doll den Bauch voll und hoffe, dass ich hier nie wieder weg muss! Auch wenn mir langweilig ist, den neuen Faden – ihr wisst schon, wo – nage ich mir jetzt nicht mehr ab. Viel lieber schaue ich mal nach drüben zu der dicken weißen Dame, sie duftet zwar nicht so schön, dafür kann sie aber prima schimpfen.
Mittlerweile juckt es mich auch nicht mehr, mein Fell ist wieder nachgewachsen und ich werde jeden Tag von den rosa Dingern meines Weibchens geputzt. Man nennt sie auch „Hände“ und die „streicheln“, habe ich gelernt. Weil das so schön ist, dürfen mich diese „Hände“ nun auch überall berühren, ich knirschel dann wieder mit meinen Zähnen, aber nicht mehr weil ich aufgeregt bin – und das Weibchen freut sich sogar darüber. Sie nennt mich jetzt „Borschtel“, weil ich immer, wenn ich aufgeregt bin, mein neues Fell aufstelle, und manchmal guckt sie mich auch ein bisschen fragend an: „Ob das mit dir und der „Moppel“ noch was wird?“
“Moppel” war ein Albino – Weibchen, sie wurde gemeinsam mit ihrer Partnerin “Susi” abgegeben, die die vorherige Mästung nicht überlebte. Sie verstarb nach kurzer Zeit an akuter Diabetes und Organversagen. “Moppel” verstarb ein wenig später, und konnte unserem “Borschtel” leider keine Gesellschaft mehr leisten. “Borschtel” wurde deshalb 2 Wochen später, als seine Samenleiterentzündung endlich geheilt war, mit “Julchen” integriert, sie hatte eine ähnliche Geschichte hinter sich und war auch schon 1,5 Jahre alt – beide haben sich auf Anhieb verstanden und hatten eine wenn auch kurze, doch nichtsdestotrotz noch sehr schöne Zeit miteinander.
Geschrieben unter: Tierschicksale






