Borschtel!!!
“Borschtel” ist im November 2005 bei uns verstorben. Sein Leben konnten wir nur mit viel Mühe rekonstruieren, seine Erfahrungen stehen stellvertretend für die vieler Farbratten und Kleinnager. Borschtels Geschichte wird von ihm selbst erzählt, aus seiner Perspektive.
Können Sie sich in ihn hineinversetzen?
„Oooch – sind die süß…“ *grapsch* …mit diesen Worten begann mein Leid.
Bisher hatte ich nur erfahren, wie Pellets schmecken, wie Muttern irgendwie nicht mehr wie Muttern duftete sondern verlockend wie meine Schwestern, dass Zähne gegen meine verfressenen Brüder helfen und dass man, wenn man springt und dabei ganz tief Luft holt, diese nicht mehr aushusten muss.
Ein paar meiner Geschwister waren schon „verkauft“, diese waren nicht schnell genug, den grapschenden bösen hellrosa Dingern auszuweichen. Ich war es, bis heute. Auch die Zähne halfen heute nicht, es kam kein Schrei, nach dem man immer losgelassen wurde, und es schmeckte bitter, wie die alte Haut unseres Vaters, als wir ihn nachdem er sich lange nicht gerührt hatte, probierten.
Heute war alles anders, und es wurde noch seltsamer. Kleine hellrosa Dinger steckten mich in einen „Käfig“, ich konnte mich darin herumdrehen und es war keiner mehr da, der mir das Essen stahl. Ich freute mich, auch darüber, dass ich nicht mehr springen musste. Vor Freude beschloss ich, die kleinen rosa Dinger, die vorsichtig an mir herumputzten und mir „Leckerchen“ zusteckten, nicht mehr zu beißen.
Nach einer Weile kamen die rosa Dinger immer seltener, und ich wurde „nach unten“ gestellt, wo große behaarte, sehr laute und grobe Fellzähne versuchten, mich zu packen. Dem ersten versetzte ich eines derart auf die Nase, dass es heulend davonrannte, aber das half leider nicht viel. Ich musste mich immer verstecken in dem kleinen Haus und plötzlich war mein „Käfig“ gar nicht mehr so groß, irgendwie konnte ich mich auch nicht mehr herumdrehen.
Es kam nun mal doch wieder eines von den kleinen rosa Dingern, um an mir herumzuputzen – aber ich hatte es, weil doch die Fellzähne immer versuchten, mich zu schnappen, aus lauter Angst verwechselt und biss zu! Herrje – ich weiß gar nicht mehr, ob ich mich mehr vor den Fellzähnen oder dem jetzt folgenden Lärm gefürchtet habe… aber seitdem gab es auch keine rosa Dinger mehr, kein Herumputzen und keine „Leckerchen“. Ich habe das alles sehr vermisst, auch meine Brüder und Schwestern habe ich sehr vermisst. Irgendwie musste ich mich auch immer kratzen weil alles so juckte – das Fell ging mir langsam aus und ich hatte überall blutige Stellen. Ganz traurig bin ich geworden und wollte nimmer aus meinem kleinen Haus kommen – aber da hielt ich es nicht aus, ich hätte wohl wieder springen müssen…
Eines Tages zog man mich hervor und gab meinen „Käfig“ samst mir einer völlig Fremden in die Hand, sie nahm mich mit nach Hause und ich traute mich das erste Mal wieder aus meinem Haus… bekam auch einen neuen, sehr luftigen „Käfig“, der seeehr viel größer war als der alte. Es duftete ganz verlockend, so wie damals meine Mutter und die Schwestern nach einer Weile gerochen hatten, und ich wurde ganz hibbelig. So lernte ich, mich vom Boden weg zu bewegen, das war ganz schön anstrengend am Anfang, aber bald hatte ich den Dreh raus und wusste nun, wozu ich das lange Ding an meinem Hinterteil brauchen kann.
Geschrieben unter: Tierschicksale






