Eine Weihnachtsgeschichte
Mit dem jetzt totenstillen Pappsarg unterm Arm und einem Haufen Krempel verlassen die beiden Menschen den Zooladen. Der Inhaber reibt sich still seine fetten Wurstpfoten und wünscht ihnen ein geflissentliches „Auf Wiedersehen!“
Draussen auf der Strasse bricht schon langsam die Dunkelheit herein, es wird schon früh dunkel um diese Jahreszeit, denn es beginnen bald die Weihnachtsfeiertage. Ein Fest der Liebe und der Familie, das man gemeinsam im Kreis seiner Angehörigen verbringt. In einigen Fenstern stehen schon Pyramiden und wunderschöne Kerzen, auch handgearbeitete Schwippbögen kann man bei den etwas betuchteren Menschen sehen. Eine schöne, ruhige und erhabene Szenerie.
Es treten auf:
Zwei angesoffene Glatzköppe mit Springerstiefeln, langzeitarbeitslos.
Ein Puertoricaner, der gerade von seiner Schicht im Restaurant kommt und nach Hause zu seiner Familie will.
(Observer: schaltet um auf Interplanetare News – was da jetzt kommen wird das kennt er alles schon, das ist nicht mehr interessant.)
Weiterhin säumt die Szene am Strassenrand ein Häufchen Sperrmüll – zoom – nein, das ist ja ein Obdachloser! Liegt da in seinem Müllhäufchen und versucht, die Kartonagen noch enger um sich zu ziehen. Mit fuselseligem Lächeln würde er vielleicht noch ins Bild passen, wenn da nicht diese permanenten Störenfriede in grün wären…
(Observer: „Schon eine komische Welt!“, denkt der Mäuserich. „…geprägt von Rassen-, Klassen- und Farbenbewusstsein, ist es das, was die Menschlichkeit ausmacht?“ Über diesen Überlegungen dämmert er so langsam ein und träumt von der untergehenden Sonne in einem freien, weiten Land.
Voller Kornfelder natürlich – und ohne Katzen!)
Im dunklen, nachts ungeheizten Zooladen ist niemand mehr anwesend ausser den Tieren. Sie sind alle ganz still, denn sie wissen, dass niemand sich für ihre Schreie interessiert. Niemand schenkt ihnen Beachtung – Beachtung als lebende, fühlende, leidende Wesen. Kein Licht scheint ihnen, und keine Sonne geht für sie mehr auf, denn sein kleines, blütenweisses Schwesterchen hat ihre Augen für immer geschlossen.
Für sie alle gibt es kein Fest der Liebe und Familie, denn für sie ist jeden Tag Treblinka.
Geschrieben unter: Geschichten und Gedichte, Tierschicksale







28.06.2010 um 22:39
Da kommen mir die Tränen. Tiere anschaffen ist wie Kinderkriegen: man soll genau überlegen, was man tut und wie man es tut und ob man wirklich die Verantwortung übernehmen kann und will. Ein ganzes Tierleben lang, in guten und in schlechten Zeiten, im Alltagsstress und Urlaub.