Sabine Oechler: Farbratten – Rattus norvegicus f. dom.


Im Bild auf Seite 52 – 53 kann man sechs niedliche, kleine Rattenschnuten bewundern, allerdings ohne einen Hinweis darauf, was mit der “Farbe” Blau genetisch im Zusammenhang auftreten kann. Ich persönlich erachte blaue Tiere als Qualzuchten, da allein die Möglichkeit einer Einschränkung besteht. Beim vierten Tier von li. ist übrigens Ausfluss aus der Harderschen Drüse (Chromodacryorrhö) am Nasenspiegel erkennbar – blau blüht bekanntlich nicht nur der Enzian, sondern hier auch so manche Stilblüte. So setzt es sich fort mit dem Hinweis auf bis zu 28 möglichen Nachkommen, mir nicht bekannt, und ob der – meistens – 12 Zitzen der Muttertiere auch sicherlich mit hoher Mortalitätsrate behaftet. Der nachfolgende – sicher gut gemeinte – Hinweis: “Die Mutter ist bereits 12 Stunden nach der Geburt wieder paarungsbereit.” ist leider so nicht ganz richtig, um Fehler bzw. noch mehr Notfalltiere zu vermeiden: das Muttertier kann sofort nach der Geburt wieder aufnahmebereit sein. Wird es in diesem Zeitrahmen gedeckt, kann es zur erfolgreichen Befruchtung kommen!
Die folgende Beschreibung der Aufzucht der Jungtiere sollte für einen Haltungsbeginner nicht interessant sein – wie o.g. kann er sich, sollte er wie so häufig trächtige Tiere oder Tiere beider Geschlechter erworben haben an die regionale NFV wenden. Damit soll es auch genug zu diesem zwar gut geschriebenen, aber für den Haltungsbeginner überflüssigen Kapitel sein.
In den Weitere(n) Informationen findet man ein paar Internetseiten angegeben, leider nur sehr wenige und nach mir nicht nachvollziehbaren Kriterien ausgewählt. Eindeutig fehlen hier einige gute Alternativforen zum Rattenforum, wie bspw.:
das Ratteneck – www.ratteneck.com und
die Rattenbande – www.rattenbande.com und
die Seite des Club der Rattenfreunde Schweiz e.V. (…wenn wir schon dessen Buch empfehlen!) – www.rattenclub.ch!
Die Bildüberschrift: “Ratten sind relativ einfach zu pflegende Heimtiere.” auf Seite 59 widerspricht dem ersten Satz im zweiten Abschnitt des Vorwortes auf Seite vier! Was soll der Haltungsbeginner nun denken?
Zum (guten) Schluss – die Verwendete und weiterführende Literatur. Eindeutig gut geeignet für Haltungsbeginner und etwas fortgeschrittene Halter ist Empfehlung Nr. eins, der Leitfaden zur optimalen Rattenhaltung – eine gute Wahl! Das veterinärmedizinische Fachbuch von Ewringmann und Glöckner ist zwar ein ausserordentlich interessantes und bedeutsames Werk, aber doch eher für den Tierarzt oder für langjährige Halter mit Interesse und veterinärmedizinischer Vorbildung! Aus den letztgenannten drei Empfehlungen kann sich der Haltungsbeginner vielleicht noch – mit viel Interesse, Durchhaltevermögen und Rotstift – durch die Diss. von Schleif quälen und ggf. das eine oder andere daraus mitnehmen, aber ansonsten sind diese Empfehlungen aber soetwas von völlig ungeeignet an dieser Stelle und mit diesem Anspruch, dass sich mir die Frage stellt, ob sie hier aus Prestigegründen wohlplaziert sind. Mir fehlen hier, ganz ernstlich, Vertreter der deutschen Literatur – leider sind es derer wenige gute, das ist schon richtig, aber diese gehören m.E.n. an diese Stelle!
Insgesamt, auch wenn es überraschen mag, habe ich nach mehrmaligem Lesen einen sehr positiven Eindruck von diesem Buch, auch wenn es auf den ersten Blick anders erscheinen mag – sonst hätte ich mir nicht die Mühe von knapp sieben Seiten gemacht. Die Entwicklung scheint allerdings noch in den Kinderschuhen zu stecken. “Hapern tut es” am nicht konkret formulierten Anspruch und nachfolgend recht schlingerndem Roten Faden – es erfolgt kein direkte Ansprache der (von mir vermeintlich angenommen) Zielgruppe Haltungsbeginner. Ein praxisnaher Leitfaden zur Heimtierrattenhaltung sollte immer wissen, wohin man sich mit spezielleren Probleme wenden kann, und nicht für alle Probleme im Vorfeld Lösungen parat haben wollen. Das führt zu Pauschalisierungen und damit auch zur Unglaubwürdigkeit, die man nicht verdenken kann. Einige wichtige Themen, wie bspw. Gesundheit, werden recht knapp gehalten, es fehlt vieles – u.a. der Hinweis auf Einschränkungen der Tiere (Qualzuchten), wohingegen v.a. die Rubriken der Vermehrung und des Nachwuchses mehr als ausführlich abgehandelt werden.
Im Gegensatz zu diesen kritikwürdigen Punkten gibt es innovative Ansätze, da seien v.a. die mind. 3er Gruppenhaltung und die Tipps zu Integration und Auslauf genannt.
Natürlich kann ich nicht wissen, ob der Autorin gewisse Schwerpunktthemen vorgegeben waren oder ob sie nur einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung hatte -
aber da ich ausser konstruktiver Kritik noch ein bisschen mehr i.d.L. bin zu leisten, möchte ich auf diesem Wege herzlich gern meine Mithilfe bei der zweiten Auflage dieses entwicklungsfähigen Buches über Farb- und Wildratten anbieten!

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