Tierschutz in Deutschland
In dem von mir o.a. aktuellen Fall wurden kurz nach Aufnahme im Tierheim durch den verantwortlichen Tierarzt mehrere Tiere euthanasiert. Da wir in der Pflegestation nun auch eine Anzahl dieser Tiere haben und alle extrem stabil und gesund sind für das, was ihnen bisher geboten wurde, hielt ich es für angebracht nachzufragen, weshalb denn nun plötzlich neun(!) Tiere euthanasiert werden mussten! Auf meine Frage hin wurde mir etwas von Keimspektrum erzählt, allerdings tragen das alle Tiere dieses Notfalles und es wurden bisher auch keine Untersuchungen dazu angestellt (Antibiogramme o.ä.). Weiterhin wurden Tiere wegen Abszessen (durch Bisse entstanden) eingeschläfert, die, über ein paar Tage systhemisch mit Antibiotika behandelt (oder auch nicht), ganz normal verheilt wären. Ich weiss nicht, wie viele Tiere hier schon mit ganz alltäglichen Bissabszessen vorgestellt wurden, wären sie alle euthanasiert worden „aufgrund des Keimspektrums“ gäbe es wohl bald keine zum Behandeln mehr!
Dito die letzte Aussage – ein Gesäugetumor. In den meisten Fällen gutartig, leicht herauszunehmen ohne grösseren Aufwand, eine Standard OP. Da ich die Tiere alle durch mehrmaliges händeln beim Fang, der Verbringung und der Geschlechtertrennung kenne hatte ich auch schriftlich auf diesen Mammatumor aufmerksam gemacht. An der Fachkompetenz kann es nicht liegen, dem zuständigen Tierarzt ist durchaus bekannt, wie Abszesse und Tumoren zu behandeln sind auch bei Kleinsäugern, zusätzlich verfügt er auch seit kurzem über ein Gasnarkosegerät. Es liegt wohl eher an der mangelnden Bereitschaft, sich mit Kleinsäugern auseinanderzusetzen, obwohl mir in der Taxonomie keinerlei Unterart – Klassifikation dieser bisher vorgekommen ist, werden sie doch entsprechend behandelt. Speziesismus? Mit Sicherheit jedenfalls kein Königsweg, die Kollision mit dem tierartspezifischen Tierschutz ist vorprogrammiert, dabei hätte sie hervorragend vermieden werden können. Schade, finde ich!
Ergo – es wurde hier nach phänotypischen Merkmalen selektiert und etwas lau versucht, dies medizinisch zu rechtfertigen. Warum? Wahrscheinlich wollte man sich Arbeit und Kosten ersparen. Das, obwohl die Zusage von Ehrenamtlichen, nämlich von uns, bestand, betreuungsintensivere Tiere zu übernehmen und diese hier zu behandeln, kostenfrei! Die anderen Tiere dieses Notfalles sind in Quarantäne ja hier auch schon vorhanden, so dass keine zusätzlichen Massnahmen hätten ergriffen werden müssen.
Man hat es also nicht einmal geschafft, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen, stattdessen nahm man lieber die Euthanasie gesunder Tiere in Kauf. Meines Erachtens nach wird sich hier selbst ein Armutszeugnis ausgestellt, der Umgang mit „unbeliebten Arten“ lässt in diesem Fall den Tierschutz in Deutschland als reine Farce erscheinen.
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14.11.2010 um 13:21
Hallo,
endlich mal jemand der die Problematik in der Praxis des Tierschutzes anspricht und keine Angst vor den Reaktionen hat.
Finde es sehr schade, das auch im Tierschutz der “Wert” des Tieres an dessen “Nutzen” gemessen wird.
Weiter so.