Kuhpockenvirus bei Farbratten


Krankheitsbild / Prophylaxe Tier:
Nicht alle Tiere zeigen Symptome! Läsionen, wenn vorhanden, vorwiegend an wenig bzw. unbehaarten Körperstellen wie Maul, Nase, Ohren, Pfoten und Schwanz. Todesfälle sind mgl., v.a. auch bei Zootieren (Elephanten, Nashörner ect.). Bei vielen Tieren nur eine unspezifische Atemwegssymptomatik sichtbar. Eine Behandlung für infizierte Farbratten gibt es nicht, da diese durch andauernde Vermehrung und Verzüchtung immunsuppressiv sind, können auch hier Todesfälle auftreten.
Kontakt von Heimtieren mit Wildtierpopulationen sollten vermieden werden. Freigängertiere, die unkontrolliert streifen (Katzen), sollten regelmässig einem TA vorgestellt werden. Freigängertiere, die kontrolliert Auslauf bekommen, sollten vom Bejagen bzw. Kontakt zu toten Wildtieren abgehalten werden und ebenso regelmässig einer tierärztlichen Kontrolle unterliegen.
Aktuelle Infektionsfälle von Menschen und Farbratten (Heimtierratten).
Bei den Ratten, die die aktuelle Problematik in den o.a. Bundesländern ausgelöst haben, handelt es sich um Farbratten aus einem Zoogeschäft in München. Der Unternehmer hat eine Gruppe von Farbratten von einem Vermehrer in Tschechien erworben und diese importiert. Ob es sich dabei um einen legalen Transport oder um Grau- bzw. Schwarzimport gehandelt hat, müssen die Behörden klären. Jedenfalls unterlagen die Tiere weder einer tierärztlichen Kontrolle noch einer Quarantäne, sodass die erkrankten Farbratten weiterverkauft wurden. Das führte zu – derzeit – 6 bekannten Infektionsfällen bei Menschen.
Wir als Kleintiervermittlungsstation engagieren uns für aktiven Tierschutz und distanzieren uns von den o.a. üblichen, bekanntermassen im Tierhandel angewandten Methoden zur Profitsteigerung auf Kosten der Gesundheit von Mensch und Tier!
Abgesehen vom Transportweg, den die Tiere hinter sich bringen mussten und der fragwürdigen Haltung bei dem Vermehrer (Erwerb der Kuhpocken nur bei unhygienischer Haltung mit Kontakt zu Wildtierbestand oder schon infizierten Haustieren) ist eine Einfuhr von Farbratten und anderen Tieren nach Deutschland aufgrund der Tierschutzsituation und der damit verbundenen Gefährdung von Menschen auch durch wesentlich gefährlichere Infektionskrankheiten grundsätzlich abzulehnen! Hier wurden aus Profitgier selbst die einfachsten Grundregeln im Umgang mit Tieren missachtet, selbst eine simple Quarantäne wurde nicht eingehalten – diese hätte jegliche Infektion verhindern können!
Zusätzlich besteht ein Problem – die Pockenimpfung wurde abgeschafft, weshalb v.a. Menschen, jünger als 30 Jahre, exponiert sind. Ein Begleitumstand der Abschaffung der Impfung (Erreger der für Menschen gefährlichen Pocken gilt hier als ausgestorben) ist eine Erschwernis für Humanmediziner bei der Diagnosestellung, so auch hier – die drastischeren Auswirkungen der o.a. Fälle konnten erst entstehen, weil die Krankheit zu spät erkannt worden war.
Das Erregerreservoir ist vorhanden und die Wirtstiere vielfältig (Caniden, Feline, Grossäuger, Rodentia), sodass hier keinesfalls der seltene Fall von Farbratten als Überträgern unmässig hervorgehoben werden sollte. Bei einigen weniger lernfähigen Individuen gelten ja selbst heute noch die Ratten als Ursache der Pest – da sollte man doch lieber realistisch bleiben und nicht dem Wortlaut sensationsheischender Presse anhängen. Gleiches gilt für die Entscheidung, Farbratten als Heimtiere aufzunehmen!
Unsere Empfehlung lautet hier ganz klar: Erwerben Sie keine Tiere käuflich, egal ob in einem dem Schein nach integeren Zoogeschäft oder bei dubiosen privaten Vermehrern – auch nicht, wenn diese sich als „Züchter“ bezeichnen, denn das ist nur ein Synonym. Wer vom Geschäft mit Tieren lebt, wird seine Existenz immer dem Wohl der Tiere überordnen, die Steigerungsform ist Profitorientierung (Degradierung von Tieren zur „Ware“) und damit unweigerlich verbundenes Tierelend sowie die Gefährdung von Menschen.
Entscheiden Sie sich zur Aufnahme von Tieren aus der Notfallvermittlung (NFV), hier arbeiten die Menschen ehrenamtlich, d.h. nicht profitorientiert, und kompetent zum Schutz von Tier und Mensch. Bei uns in der Pflegestation „Das Tierhausi“ bspw. wird jedes Tier einer veterinärmedizinischen Eingangsuntersuchung unterzogen, vorbeugend gegen Parasiten behandelt und bekommt eine vierwöchige Quarantäne, um Trächtigkeiten und auch gerade solche Infektionen frühzeitig erkennen und behandeln zu können.
Wenden Sie sich an eine NFV Ihres Vertrauens, im Falle der Farbratten kann das bspw. die NFV des VdRD e.V. (Verein der Rattenliebhaber und -halter in Deutschland e.V.) sein oder das örtliche Tierheim – hier finden Sie freundliche und engagierte Mitarbeiter, die Sie gern zu Ihren Fragen rund um die Tierhaltung beraten. Das Spektrum an Tieren (bspw. Altersklassen – Jungtiere bei Farbratten) ist gross und damit die Auswahl ebenso. Vermeiden Sie bitte ebenso unnötige Risiken durch „Mitleidskäufe“, das gilt für alle Tierarten, als Beispiel seien hier die „Hundewelpen aus dem Kofferraum“ genannt. Tiere sind Lebewesen und als solche keine Ware, vergessen Sie bitte niemals:
Tierschutz ist Menschenschutz!

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Geschrieben unter: Aktuelles, Tiergesundheit, Tierinfo

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