Kuhpockenvirus bei Farbratten
Stellungnahme der Kleintiervermittlungsstation „Das Tierhausi“ zu kürzlich bekannt gewordenen Fällen der Infektion von Farbratten und deren Haltern mit Kuhpocken.
Seit Mitte Dezember 2008 sind in Bayern und Nordrhein – Westfalen wenige Fälle einer Infektion mit Kuhpocken (Orthopoxviren) bei Farbrattenhaltern aufgetreten. Aufgrund dessen, und um voreilige Reaktionen zum Schaden von Mensch und Tier zu vermeiden, möchten wir an dieser Stelle vorbeugend informieren.
Daten zur Infektion.
Epidemiologie Mensch: Kuhpockenvirus beheimatet in Europa und Mittelasien, endemisch. In den letzten Jahren in Deutschland nicht mehr beobachtet bei Rindern, beim Menschen meist nur lokale Infektionen (Extremitäten, Gesicht), selbst ausheilend. Kuhpocken wurden vor ca. 200 Jahren auch als Impfstoff gegen Pocken beim Menschen eingesetzt, derzeit noch nicht meldepflichtig. Allerdings erhöhte Anfälligkeit in der Bevölkerung seit Einstellung der Pockenimpfung (1986) zu beobachten, deshalb vorwiegend Menschen unter 30 Jahren von Erkrankung betroffen.
Epidemiologie Tier:
Erregerreservoir vorwiegend Wildnager, breites Wirtsspektrum: u.a. Rinder, Katzen, Grosstiere in Zoos, Hunde, Nager, Mensch. Infektionen in den letzten Jahren zunehmend v.a. bei Zootieren (teils tödlicher Verlauf) und Katzen (Frassfeinde Nagetiere). Nach Tierseuchenrecht besteht u.a. bei Ratten (jedoch nicht bei Katzen!) Meldepflicht, allerdings keine Anzeigepflicht.
Krankheitsbild / Prophylaxe Mensch:
Übertragung von o.g. Tierarten durch kleine Verletzungen an Haut/ Schleimhaut, Läsionen durch Biss, Kratzer u.ä. Inkubationszeit 7 – 14 Tage, rote Hautexantheme nekrotisieren und heilen erst nach 6 – 8 Wochen ab, wobei Narben zurückbleiben. Begleiterscheinungen mglw. Fieber, Unwohlsein, Lymphknotenschwellungen und Bindehautentzündung. Systemische und schwere Infektionen extrem selten und nur bei immunsupprimierten Patienten.
Virologische Diagnostik durch „Material betroffener Stellen“ problemlos mgl., RKI (Robert Koch Institut )bietet nach Absprache kostenfreien Test an.
Exantheme müssen ggf. lokal antibiotisch gegen Sekundärinfektionen abgedeckt werden, eine Bedeckung selbiger (Kontakt mit virulenten Hautstellen!) mit bspw. Handschuhen ist sinnvoll, obwohl bisher keine zwischenmenschliche Übertragung nachgewiesen werden konnte. So kann auch eine Veschleppung auf andere Körperregionen durch Kratzen und Kontakt vermieden werden.
Tierkontakt zu Wildtieren mit Läsionen meiden, Heimtiere einem kompetenten TA vorstellen. Bei Infektionen im Haushalt Wäsche bei 60 °C waschen, Tierumgebung und Hände mit mind. begrenzt viruzidem Mittel desinfizieren (Staubentwicklung vermeiden!).
Orthopockenviren können in Krusten bei Umgebungstemperatur monatelang überleben.
Geschrieben unter: Aktuelles, Tiergesundheit, Tierinfo
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