“Kratzratten” – Atopische Ulzerative Dermatitis.


Atopische bzw. ulzerative Dermatitis bei Farbratten ist ein immer noch recht seltenes Phänomen und eine veterinärmedizinische Herausforderung.
Leider aber ist die Entwicklung bei Farbratten (Heimtierratten) und auch anderen Tierarten, hier gemeint v.a. Kleinnager, die lange genug in Menschenhand sind, absehbar.

Derzeitige Situation und Entwicklung.

Farbratten und Farbmäuse sind beides Heimtierarten, bei denen ich hier bleiben möchte, sonst ufert es aus. Sie sind lange genug in Menschenhand (mehrere Jahrhunderte) vermehrt worden (ich vermeide hier bewusst die Begrifflichkeit Domestikation, da es kontroverse Studien gibt, die anderes nahelegen). Bei dieser Vermehrung gab es natürlich Ziele, bei Laborlinien bspw. die Schaffung von Stämmen mit analogem genetischen Material um Studien augenscheinlich aussagekräftiger zu gestalten, in der Heimtierhaltung hingegen wurde mehr Wert auf Verhalten gegenüber dem Menschen (“Zahmheit”) und Aussehen (Farbe und Zeichnung) gelegt. Was hier hinsichtlich des Tierschutzes im Sinne der Tiere schwerer wiegt, ist meinerseits nicht zu beurteilen, es gleicht sich auffällig in Hinsicht auf Nutzen für den Menschen und Schaden für die Tiere, wobei m.E.n. selbst ersteres bei Null anzusiedeln ist.
Ohne aber nun diese Perversitäten genauer ins Auge fassen zu wollen will ich hier eigentlich eher darauf hinweisen, das die Genetik unserer Heimtiere und damit auch ihr Immunsystem auf dem absteigenden Ast anzusiedeln ist. Durch inkompetente und verantwortungslose Vermehrerei enstehen mehr Mutationen und Neukombinationen ect., allein durch Inzucht bspw. finden wir die heute gängigen Farbschläge und Ausprägungen. Anhand phänotypischer Merkmale ist ein Genotyp nicht klassifizierbar – es sei denn, er wird seziert und sequenziert – deshalb kann auch keine Zucht stattfinden durch Züchter, sondern im Heimtierbereich ausschliesslich Vermehrung durch Vermehrer. Siehe aktuelle Erbgutanalysestudien bei Hunden als kleiner Exkurs für Neugierige.
Wohin es führt ist klar – die Tiere werden immer immuninstabiler, Krankheiten und deren Auslöser (Parasiten, Pilze, Baktierien, Viren u.a.) werden wirksam oder wirksamer – es ist nicht so, das es sie “früher” nicht gab – nur sind sie jetzt immer besser in der Lage, den genetisch deprimierten Organismus zu schädigen! Natürlich enwickeln sich auch unsere kleinen Quälgeister – nicht zu vergessen – aber sie haben uns gegenüber einen Vorteil – sie tun das im Kontext der natürlichen Evolution!
Mittlerweile sind sogar schon sogenannte Zivilisationskrankheiten, wie beim Menschen, bekannt und auch hier ausgelöst durch Vermehrung und Änderung der Lebensräume in vergleichbar kurzem Zeitraum (Stichwort Globalisierung, Minderung der genetischen Vielfalt ect.), fehlende genetische Stabilität (Überleben von “in freier Wildbahn” nicht lebensfähigen Individuen v.a. in entwickelten Ländern, Resistenzenbildung durch Medikamenten”miss”brauch, ungerichtete genetische Entwicklung ect.) samst unnatürlicher und ungesunder Lebensweise (Bewegungsmangel, falsche und unnatürliche Ernährung ect.). Natürlich trifft das auch die Tierarten, die sich lang genug in Menschenhand befinden und deren genetisches Potential nun endlich auch erschöpft ist.

Bedeutung für den Tierschutz.

Was haben wir als Tierfreunde bzw. Tierschützer nun davon?
Eine Menge… an Kosten, Arbeit, Zeit- und Nervenverlust sowie Trauer um unsere Pfleglinge für umsonst. Einige der wenigen Dinge also heutzutage, die es noch kostenfrei gibt, und zwar in Mengen!
Wir stehen ergo vor dem Problem, uns immer häufiger mit neuen Krankheitsbildern konfrontiert zu sehen, deren Behandlungen immer komplexer, teuer, aufwendiger und ggf. sogar weniger erfolgversprechender sind. Hinzu kommt das, worüber sich wohl wenige Gedanken machen – die ethische Grenze. Wir als Anwälte ausgebeuteter Zivilisationen dieses Planeten haben Weitsicht an den Tag zu legen, und müssen uns – garade vor diesem Hintergrund, mit der ethischen Grenze befassen. Diese ist zu setzen bezüglich des betroffenen Tieres, seiner Leidensgenossen, seiner Artgenossen und seiner Art als eine unter vielen im Ökosystem unseres Planeten. Das heisst, unsere Entscheidungen, lokal getroffen, sollten entsprechend überdacht werden, hier bspw. mit Stichwort Resistenzen bei bspw. Antibiotika, Antihelminthika, Antiparasitika ect. Das Leiden eines tierlichen Individuums sollte niemals die Lebensqualität beeinträchtigen, hier wird auch immer wieder die Entscheidung zur Euthanasie neu und Fall – spezifisch getroffen werden müssen. Zu überlegen ist bspw. auch immer die Kontroverse Artenschutz – Biotopschutz, als Tierschützer von Heimtierarten haben wir das zusätzliche Problem der sogenannten “Zwischenexistenzen” (Heim-, Nutz- und Labortiere). Das sind nur einige wenige Beispiele für die Problemfelder, mit denen wir konfrontiert werden…

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