Gnadenbrotplatzgruppen
Alle in der Notfallvermittlung gut beschäftigten lieben Leutz’ haben derzeit ein Problem – das Sommerloch.
Das Sommerloch erstreckt sich meist von Juni bis September und ist für die meisten Menschen die Zeit, in der sie in den Urlaub fahren. Deshalb kommen in dieser Zeit kaum Vermittlungsanfragen, im Gegenteil, die Zahl der in Vermittlung befindlichen Tiere steigt noch zusätzlich an.
Viele Menschen sind aus mir unbegreiflichen Gründen nicht in der Lage, ihre Tiere in der Urlaubszeit mitzunehmen oder gut unterzubringen, deshalb werden sie der Einfachheit halber abgegeben, ausgesetzt oder einfach nicht mehr von der Betreuung abgeholt.
Sicher gibt es regionale Unterschiede, und sicher macht sich das Sommerloch auch nicht überall gleich stark bemerkbar, aber dafür gibt es auch Bereiche, die besonders betroffen sind, bspw. die Tierheime.
Wie jedes Jahr hat es auch diesmal wieder das Tierheim Berlin getroffen – schon zu Beginn der Ferien, sprich, am zweiten Ferientag, wurden vermehrt Tiere abgegeben, deren Anzahl sich seitdem sicherlich noch um einiges mehr nach oben korrigiert hat. Kommen dann noch die “üblichen” Wohnungsräumungen, Beschlagnahmungen – sprich – Animal Hoarding Fälle hinzu, nicht zu vergessen die vermehrt ausgesetzten Tiere, sind die Kapazitäten eines normalen Tierheims schnell überschritten. Die Anzahl der Tiere ist nicht mehr händelbar.
Das macht sich im Grossen als auch im Kleinen bemerkbar, auch bei uns häufen sich die Notfallabgaben und damit die Tiere – womit wir bei der Überleitung zum eigentlichen Thema wären. Derzeit haben wir, trotz aller Notfälle, eine noch einigermassen überschaubare Anzahl von Vermittlungstieren, das hat allerdings auch einen Grund. Bei uns häufen sich derzeit die Gnadenbrotplatzgruppen.
Es ist eigentlich nichts Besonderes, dass bei den NFV immer einige ältere, evtl. auch kranke und daher unvermittelbare Tiere “hängen bleiben”, die dann liebevoll bis zu ihrem Tod als eigene Tiere gepflegt werden. Allerdings sind auch die Notfälle, mit denen man zu tun bekommt, alles andere als berechenbar und kalkulierbar, auch wenn man sich im Vorfeld noch so sehr bedenkt.
Aufgrund der Umstände sitzen nun insgesamt 4 Gnadenbrotplatz Gruppen hier. Da diese Gruppen viel Platz und Zeit beanspruchen, können wir deshalb nur eine geringe Zahl an anderen Vermittlungstieren hier aufnehmen, was natürlich sehr schade ist (meiner persönlichen Meinung nach). Eigentlich bin ich jetzt wieder dort angelangt, wo ich schon vor einigen Jahren war – einiges an eigenen Tieren in verschiedenen Gruppen und damit kaum noch Platz und Zeit für Vermittlungstiere. Wir hatten damals, zu “besten” Zeiten allein schon 10 (!) eigene Gruppen, plus Vermittlungsnasen! Auf diese Anzahl möchte ich nicht wieder kommen… sofern es sich vermeiden lässt. Es folgte eine Zeit, in der wir uns ganz und gar den Notfällen widmen konnten, allein aus dem Grund, dass wir keine eigenen Tiere mehr hatten. Mittlerweile hat es sich so eingepegelt, dass wir ca. 1 – 2 eigene Tiergruppen haben, aber nicht mehr, um den Notfällen auch gerecht werden zu können. Die eigenen Gruppen rekrutieren sich vornehmlich aus Gnadenbrotplätzlern, chronisch kranken Tiere oder Tieren, die aufgrund ihrer (Nicht-) Farbe kein Mensch haben will und die dann hier bleiben. Tiere, die nicht vermittelbar sind aufgrund ihres Verhaltens haben wir schon für längere Zeit nicht gehabt, alle konnten bisher gut wieder resozialisiert und integriert werden.
Derzeit allerdings häufen sich die Gnadenbrotplatz Gruppen, derzeit sind es allein schon vier Gruppen mit jeweils drei bis fünf Tieren. Eine Integration zu einem Grossrudel ist aufgrund von Alter und Rudelstruktur nicht zumutbar/ möglich. Für diese Gruppen würden wir, bei Übernahme auf einen lieben und kompetenten Gnadenbrotplatz – Anbieter auch Patenschaften für die Tiere übernehmen sowie eine grosse und altersgerecht umgebaute Voliere stellen. Leider nur findet sich niemand bereit, wenigstens eine der Gruppen bis zu ihrem Tod liebevoll zu pflegen.
Es handelt sich bei den Tieren durchweg um sehr liebe und menschenfreundliche Ratten, alles kleine Persönlichkeiten, die ihrem Menschen noch eine Menge Freude bereiten können.
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