Ein Wochenende im Tierhausi


Häufig werden wir gefragt, wie unsere Arbeit denn so aussieht und was wir so den ganzen Tag machen. Nehmen wir uns einfach dieses Wochenende:
Samstag, 07:00 Uhr: Der Wecker klingelt und wir stehen auf. Dabei ist 07:00 Uhr schon recht human, gemessen an den Zeiten in der Woche. Während ich mit dem Hund eine Auswring-Runde drehe, packt Katja schon mal unsere Sachen zusammen.

Samstag, 08:00 Uhr: Noch fix einen Kaffee in den Hals gegossen und ein paar Müsliflocken hinterher, dann ist schon Abfahrt angesagt. Es geht ins 60 km entfernte Tierheim Rathenow, wo ein einzelnes Rattenweibchen sitzt. Da das Tier dort kaum Vermittlungschancen hat, nehmen wir die Kleine auf.
Samstag, 09:15 Uhr: In Rathenow angekommen, entpuppt sich unser Weibchen leider als Böckchen und wirft damit unsere weiteren Pläne erstmal über den Haufen. Mit knapp 1,5 Jahren ist das Tierchen auch nicht mehr so jung, macht aber einen recht knuffigen Eindruck. Nach den üblichen Formalitäten und ein wenig Hunde knuddeln machen wir uns gegen 10:00 Uhr wieder auf den Heimweg. Noch während der Fahrt wird bei unserer Tierarztpraxis ein Kastrations-Termin für unseren Neuzugang vereinbart.
Samstag, 11:00 Uhr: Zurück im “Tierhausi” wird der Neue erstmal gegen Parasiten gespottet und bekommt wegen einer leichten Atemwegsinfektion auch gleich ein Antibiotikum. Danach darf er in seinen Käfig einziehen. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt uns nicht, denn 12:00 Uhr müssen wir schon wieder los. Da wir uns auf halbem Weg mit unserer Ratten- und Mäuse-Pflegestelle aus Merseburg treffen, müssen noch diverse Dinge eingepackt und vorbereitet werden.
Samstag, 13:00 Uhr: Nachdem wir unseren Treffpunkt am Rasthof “Fläming” auf der A9 erreicht haben, gönnen wir uns den Luxus eines Kaffees. Kurz darauf trifft auch Madeleine ein und das große Tauschen beginnt. Wir bekommen eine Gruppe Ratties und eine Gruppe Mäuse, die nach Berlin umziehen sollen. Madeleine bekommt die Transportboxen vom letzten Transport zurück, einen großen Stapel Zeitungen, Hängematten für die Tiere und einen Sack Futter (den wir in der Hektik beinahe vergessen hätten). Kurzes Abschniedsknuddeln und wir sind wieder auf der Autobahn.
Samstag, 14:00 Uhr: Wir sind wieder zurück im “Tierhausi”. Katja sortiert die Ratties auseinander, da ein Teil der Gruppe gleich weiter nach Berlin zieht, während der andere Teil erstmal einige Tage bei uns bleibt, bis sie abgeholt werden. In der Zwischenzeit gehe ich eine Runde mit unserem Hund. (Unnötig zu erwähnen, das es nach der Hälfte des Weges anfängt zu regnen :-( )
Samstag, 15:00 Uhr: Abfahrt nach Berlin. Mit den Ratties und den Mäusen im Gepäck machen wir uns auf nach Berlin. Da die Hertha heute ein Heimspiel hat, rechnen wir mit etwas dickerem Verkehr in der Stadt. Zuerst geht es nach Tempelhof, wo die Ratties in ihr neues Zuhause gebracht werden. Das klappt prima und die Zwerge haben dort ein richtig tolles Heim. Danach geht es weiter nach Spandau, wo wir die Mäuse abliefern. Dort treffen wir gegen 17:30 Uhr ein und sind kurz nach 18:00 Uhr auf dem Rückweg. Nach einem Zwischenstopp im Baumarkt und einem weiteren im Werder-Center zum Einkaufen, sind wir gegen 19:30 Uhr zu Hause. Katja packt aus, während ich noch eine kurze Runde mit dem Hund gehe. Mondschein und sternenklarer Himmel entschädigen dabei für den Regen vom Nachmittag.
Samstag, 20:00 Uhr: Abendprogramm. Katja versorgt unsere Pflege-Truppe mit Medikamenten, während ich erst Madame Fluse und danach Frl. Flim und Flum auf der Couch zum Auslauf betreuen darf. Da die drei ja seit heute Morgen ein Rattenböckchen als Nachbarn haben, sind sie natürlich besonders wuselig und ich habe alle Hände voll zu tun. Nachdem noch bei allen Tieren Futter und Wasser aufgefüllt ist, sind wir für heute erstmal fertig.
Samstag, 22:00 Uhr: Dank meiner Eltern gibt’s auch um diese Zeit noch was Warmes zum Futtern. Die Idee am Samstag Abend noch etwas zu unternehmen wird einvernehmlich abgelehnt. Und gut eine Stunde später sind wir auf der Couch eingeschlafen. :-)
Sonntag, 07:30 Uhr: Eigentlich ist es erst 06:30 Uhr, denn heute Nacht wurde uns die übliche Stunde Schlaf gemaust. Nach der morgentlichen Hunderunde gibt es erstmal Frühstück, das wir (wie ungewöhnlich) sogar ganz in Ruhe genießen können.
Sonntag, 10:00 Uhr: Katja ist für 10:00 Uhr mit anderen Tierschützern zu einer lokalen Einfangaktion von Katzen verabredet, der Termin wird aber kurzfristig auf 11:00 Uhr verschoben. Und wieder wackelt unser Zeitplan. Ich finde in der Zwischenzeit die Ruhe für diesen Bericht. (Ab jetzt wagen wir einen Blick in die Zukunft. Was jetzt kommt ist Planung, wir werden sehen, wie sich der Tag entwickelt.
Sonntag, 13:00 Uhr: Katja kommt von Ihrer Einfangaktion zurück, bekommt einen Teller “Futter” vorgesetzt und darf mein Geschriebsel vom Vormittag lesen und korrigieren. Kaum ist der letzte Brocken Futter verschlungen, kommen die ersten Vermittlungsinteressenten gegen 14:00 Uhr. Fluse zieht in ein neues Zuhause. In der Zwischenzeit gehe ich wieder mit unserem Hundi auf Tour. Zur Zeit scheint die Sonne, ich hoffe das bleibt auch so. Heute haben wir auch keine Eile und können uns etwas mehr Zeit lassen.
Sonntag, 17:00 Uhr: Wir bekommen Besuch von ehemaligen Haltern, die uns einen Stapel Käfige und Zubehör überlassen. Das ist toll, können wir doch unseren Vermittlungstieren auf diese Weise bei der Vermittlung eine (M)Aussteuer mitgeben. Danach kommt wieder das übliche Abendprogramm. Versorgen aller Zwerge mit Futter, Wasser und Medikamenten. Parallel dazu das Ratten-Bespaßungsprogramm auf der Couch.
Wenn alles glatt läuft, sind wir 20:15 Uhr fertig und haben “frei”. Das ist toll, denn heute Abend läuft der 3. Teil von “Herr der (Augen)Ringe”.
Gute Nacht!

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Geschrieben unter: Aktuelles, Tierschutz